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Von der grünen zur blauen ökologischen Agenda – Umweltpolitik in Costa Rica

Autor:  | Juli 2012 | Artikel empfehlen

Costa Rica: Junger Mangrovesamen - Foto: Barabara Schroeter Internationale Tage gibt es zuhauf – vor allem, um auf die Situation spezieller Lebensformen auf unserem Planeten und allem was dazugehört, aufmerksam zu machen. In dieser Woche gab es auch wieder einen Internationalen Tag, den in Europa wohl nur wenige kennen: den Internationalen Tag der Mangroven. Seit 2004 ruft die lateinamerikanische Organisation Redmanglar Internacional am 26. Juli mit verschiedenen Aktivitäten zum Schutz des Ökosystems der Mangrovenwälder auf1.

Mangroven, was ist das eigentlich? Da Mangroven in tropischen und subtropischen Küstenregionen vorkommen, kennen wir sie hauptsächlich aus der Literatur, aus Abenteuerromanen, in denen sich die Helden tapfer durch die Mangrovensümpfe schlagen. Sümpfe, das ruft Bilder von Schmutz, Schlamm, Hitze, Fäulnis, Krankheiten und Epidemien und verborgenen, wilden Tieren wie Krokodilen hervor. Mysteriös sieht es allemal aus, wie die Mangrovenbäume mit ihren weitverzweigten Wurzeln im Wasser stecken. Doch statt gefährlich sind Mangroven ein Segen für den Planeten. Sie sind reich an Biodiversität und bieten eine Heimat für unzählige Vögel, Fische, Meerestiere und Reptilien. Sie schützen die Küste vor Erosion und das Land vor Stürmen und Überschwemmungen. Und sie helfen, den Klimawandel zu bekämpfen, da sie große Mengen von Kohlenstoff binden können, 300% mehr als ein normaler Wald. Denn die Bäume nehmen den Kohlenstoff nicht nur auf, sondern geben ihn auch an den Schlamm ab, so dass dieser plötzlich auch eine sinnvolle Funktion erfüllt.

Grund genug also, dass die Mangroven von ihrem schlechten Image wegkommen, und es ist allerhöchste Zeit, denn die Mangrovenwälder sind eines der am meisten bedrohten Ökosysteme der Welt. Seit 1980 sind schätzungsweise 35.600 km², ein Fünftel aller weltweiten Mangrovenwälder verloren gegangen, drei bis vier Mal so schnell wie andere Wälder. Schuld daran sind Verschmutzungen aus der Land- und Wasserwirtschaft, Hydrokarbonate der Petrochemie, Shrimpfarmen oder die Versiegelung der Küsten durch Wohnbauten und für Tourismus des Luxussektors.

Und hier kommt Costa Rica ins Spiel, denn in Costa Rica gibt es viele Mangroven. Wie viele, das weiß man nicht so genau. Deswegen muss erst einmal ein Inventar der Mangrovenwälder und Feuchtgebiete aufgestellt werden, bevor sie erhalten oder wieder aufgeforstet werden können. Und das ist nur der Anfang der neuen „blauen Agenda“ zum Schutz der Wasserressourcen, die das kleine zentralamerikanische Land laut Umweltminister René Castro auf die Beine stellen will2. Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Verbot der Praxis des aleteo3, der Schutz der Haie. Außerdem sollen Blue Carbon Projekte folgen, in denen die Verursacher von Treibhausgasen, z.B. Autofahrer, diese Emissionen freiwillig kompensieren, indem sie den Leuten, welche Mangroven und Feuchtgebiete schützen, Carbon Credits abkaufen. Auf diese Weise wird die Bevölkerung beteiligt, die sich aktiv für den Erhalt ihres Lebensraumes einsetzen kann4.

Costa Rica: Mangroven auf der Península de Osa - Foto: Barbara SchröterSeit Mitte der 1990er Jahre wurden große umweltpolitische Reformen umgesetzt. Bereits 1995 wurde nachhaltige Entwicklung offizielle Politik der costaricanischen Regierung und das Recht auf eine gesunde und saubere Umwelt in Art. 50 der Verfassung festgeschrieben. Mit der Schaffung des SINAC (Sistema Nacional de Areas de Conservación) ist das ganze Land in große Schutzgebiete (áreas de conservación) unterteilt. Und mit den Gesetzen zum Artenschutz (1992), zur Umwelt (1996) und zur Biodiversität (1998) werden diese Schutzgebiete legal definiert, Feuchtgebiete und Biodiversität zum öffentlichen Eigentum erklärt und die Beteiligung der Bevölkerung bei der Erhaltung ihres Gebietes durch lokale Räte ermöglicht.

Rund 15 Jahre später läutet Costa Rica die nächste Runde im Umweltschutz ein und setzt neben dem grünen auch den blauen Umweltschutz auf seine politische und gesellschaftliche Agenda – und wird somit seiner Vorreiterrolle gerecht, sowohl im Umweltschutz als auch beim schwierigen Spagat zwischen Nachhaltigkeit/ Erhalt der Umwelt und ökonomischer Entwicklung.

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1 http://www.redmanglar.org
2 http://www.nacion.com/2012-02-24/aldeaglobal/manglares-del-pais-almacenan-tanto-carbono-como-los-bosques.aspx
3 Dem gefangenen Hai werden die Flossen abgeschnitten, und er wird zurück ins Meer geworfen, wo er qualvoll erstickt und verblutet.
4 http://www.neotropica.org

Bildquelle: [1], [2] Barbara Schröter


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