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Microcuentos (7)

Autor:  | Oktober 2011 | Artikel empfehlen
Kategorie(n): Chile, Kunst & Kultur, Literatur
Literatur - Chile - Microcuentos7

Microcuentos desde el sur profundo - Concepción - Punta ArenasMicrocuentos - der Name verrät es – sind kleinste Geschichten, eine in Lateinamerika beliebte literarische Form. Man denke nur an den Guatemalteken Augusto Monterroso.

Im Jahr 2009 brachte die Zeitschrift Caballo de proa eine Sammlung von Microcuentos aus der Feder südchilenischer Autoren heraus. QUETZAL wird diese kleinen Geschichten aus dem tiefen Süden in loser Folge vorstellen, als deutsche Erstveröffentlichung.

Wir danken den Autoren, insbesondere Herausgeber Pedro Guillermo Jara, für die Genehmigung zur Veröffentlichung.

Und wir danken Gabriele Eschweiler, die die Geschichten ins Deutsche übertragen hat.


Nelson Antonio Torres (Castro)

Microcuento - Bild: Quetzal-Redaktion_nic

Geschichte der Diktatur in Chile – gebeugt

Du entmachtest, er foltert. Wir leiden. Ihr schweigt. Sie applaudieren. Ich schreibe.

Übersetzung aus dem Spanischen: Gabriele Eschweiler

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Jorge Ojeda (Valdivia)

Microcuento - Bild: Quetzal-Redaktion_nic

[Findest du es fair …. ?]

Findest du es fair, mich gezwungen zu haben,

die 46 Grundschritte des Tangos zu lernen,

nur um mir dann mitzuteilen, dass dir Rockmusik

authentischer vorkommt?

Übersetzung aus dem Spanischen: Gabriele Eschweiler

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Juan Armando Epple (USA/ Valdivia)

Microcuentos - Bild: Quetzal-Redaktion_nicWortwörtlich

[Aus: Wunder]

Als der Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre die freudige Botschaft erhielt, dass die jüngste Ausgabe des Index Librorum Prohibitorum ex Expurgatorium von 1948 mit fast 4.000 zensierten Büchern, dabei war, sich in einen Verkaufsschlager zu verwandeln, organisierte er das, was man heutzutage Marktforschung nennt, indem er Priester in Zivil an den Ausgängen von Buchhandlungen postierte, um herauszufinden, worin das Interesse an diesem Buch bestehe. Sie teilten ihm mit, dass es von der Mehrheit der Käufer als Lektüreführer benutzt werde. Der Präfekt sah sich gezwungen, den Index in die Liste der verbotenen Bücher aufzunehmen. Kirchlicher Logik gehorchend wurde der Index im Jahre 1966 durch das Zweite Vatikanische Konzil außer Kraft gesetzt. So konnten sie eine weitere Widersprüchlichkeit der Zeit lösen.

Übersetzung aus dem Spanischen: Gabriele Eschweiler

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Zeichnungen: Quetzal-Redaktion, nic


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