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Chile/ Lateinamerika: Im Sog der zweiten Welle (09. Dezember 2020)

Noticias_Chile_Bild_Quetzal-Redaktion_solebAb morgen treten in der Region um die chilenische Hauptstadt Santiago, wo über sieben Millionen Menschen leben, erneut umfassende Quarantäne-Maßnahmen in Kraft. Alle Geschäfte, die keine lebensnotwendigen Waren anbieten, werden geschlossen und Reisen in die übrigen Teile des Landes sind ebenso untersagt wie Begegnungen und Festlichkeiten während des Wochenendes. Dieser Schritt wird von Enrique Paris, dem Gesundheitsminister des Landes, mit der dramatischen Erhöhung der Fall- und Todeszahlen infolge der Covid-19-Pandemie begründet. Insgesamt verzeichnet Chile 563.534 Infizierte, von denen bisher 15.680 in Verbindung mit dem Virus verstorben sind. Mit einer Mortalitätsrate von 816 je eine Millionen Einwohner liegt Chile innerhalb Südamerikas an fünfter Stelle. Unter den Ländern des Kontinents führt Brasilien mit 6.674.999 Infizierten und 178.159 Toten die Covid-19-Statistik an. Bei den Todeszahlen folgen Mexiko (110.874), Argentinien (40.009), Kolumbien (38.158) und Peru (36.276). Bei der Mortalitätsrate ist Peru mit 1.095 Toten je eine Million Einwohner am härtesten betroffen und liegt damit nach Belgien (mit einer Rate von 1.497) weltweit auf dem zweiten Platz. Unter den folgenden Ländern, die alle über einer Mortalitätsrate von 800 liegen, sind neben den USA (mit 876) und vier weiteren europäischen Staaten (Italien, Spanien, Großbritannien und Frankreich) mit Argentinien (879), Mexiko (850), Brasilien (832) und Chile (816) ausschließlich lateinamerikanische Länder vertreten. Legt man die neusten Zahlen zugrunde (alle Angaben sind vom 8. Dezember 2020), dann verfestigt sich das Bild, dass auch in der anschwellenden zweiten Welle neben Europa der amerikanische Doppelkontinent das Epizentrum der Pandemie bildet (Bildquelle: Quetzal-Redaktion_soleb).

Chile Historisches Urteil zu Verbrechen der Militärdiktatur (18. November 2020)

noticia_Chile_Foto_Ciberprofe_CCCristina Godoy, Laura Ramsay, Beatríz Bataszew, Sara de Witt, Alejandra Holzapfel und Clivia Sotomayor – im Namen dieser sechs Frauen wurde in Chile ein Urteil gegen drei Agenten der DINA (Inteligencia Nacional – Nationaler Geheimdienst) gefällt. Auch deren Namen seien hier genannt, der Gerechtigkeit halber: Raúl Iturriaga Neumann, Manuel Rivas und Hugo Hernández. Diese Männer wurden wegen Entführung und Anwendung von Folter zu je 15 Jahren Haft verurteilt. Außerdem verurteilte Richter Mario Carrazo den chilenischen Staat zu Entschädigungszahlungen von jeweils 80 Millionen Pesos (knapp 88.000 EUR) an die Opfer; neben den sechs genannten Frauen auch an vier Männer. Kommentatoren sprechen von einem beispiellosen, ja historischen Urteil in der chilenischen Justiz. Zum ersten Mal wurde in die Urteilsfindung wegen Verbrechen während der Pinochetdiktatur eine geschlechtsspezifische Perspektive einbezogen. Das Gericht anerkannte ausdrücklich, dass den entführten Personen nicht nur schwerwiegende körperliche und geistige Leiden zugefügt wurden, sondern dass sie auch systematisch und massiv sexueller Gewalt ausgesetzt waren. Die sechs Frauen waren in der „Venda Sexy“ inhaftiert, einer geheimen Folterstätte in Santiago de Chile, in der vor allem Frauen systematisch sexuell missbraucht wurden. Unter den DINA-Agenten tat sich auch eine Frau deutscher Abstammung hervor, Ingrid Olderöck, eine Majorin, die als „Frau mit den Hunden“ bekannt war. Wer auch nur einen flüchtigen Blick in den sogenannten Valech-Bericht, den Bericht der Nationalen Kommission für politische Inhaftierung und Folter, geworfen hat, weiß, was dieses „mit den Hunden“ für die inhaftierten Frauen bedeutete. Richter Carroza bezeichnete die Behandlung der Gefangenen als „entmenschlicht, erniedrigend und missbräuchlich“. Beatríz Bataszew, eine der Klägerinnen betonte, dass dieses Urteil sehr wichtig, aber nicht ausreichend sei, denn es vernachlässige den politischen Charakter dieser Gewalt (Bildquelle: ciberprofe_CC).


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