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Erklärung von Sao Paulo

Autor:  |  Frühjahr 1996

(Sao Paulo, 4. Juli 1990)

 

Von der Arbeiterpartei (PT) zusammengerufen, versammelten sich die Repräsentanten von 48 Organisationen, Parteien und Fronten der Linken, mit dem Ziel ihre jeweiligen Erfahrungen und Analysen der globalen Problematik auszutauschen und, um zu versuchen auf die gemeinsamen Probleme, Antworten zu finden. In diesem Dokument werden die Resolutionen dieses ersten Treffens von Sao Paulo vorgestellt.

Von der Arbeiterpartei (PT) zusammengerufen haben wir, die Repräsentanten von 48 Organisationen, Parteien und Fronten der Linken Lateinamerikas und der Karibik, uns in Sao Paulo, Brasilien getroffen.

In seiner Vielfalt, der Teilnahme der verschiedensten ideologischen Strömungen der Linken, bestätigte das Treffen aufs neue die Bereitschaft der linken, sozialistischen und antiimperialistischen Kräfte des Subkontinents, die Analyse und Bilanz ihrer eigenen Erfahrungen und der weltweiten Situation zu teilen. So erschließen wir neue Räume, um auf die großen Herausforderungen zu antworten, die sich unseren Völkern und unseren linken, sozialistischen, demokratischen, populären und anti-imperialistischen Idealen stellen.

Im Verlauf einer heftigen und wirklich offenen, pluralistischen und demokratischen Debatte haben wir einige der wichtigen Probleme, die sich uns stellen, behandelt. Wir haben den Zustand des kapitalistischen Weltsystems und der imperialistischen Offensive behandelt, versteckt hinter einem neoliberalen Diskurs, der sich gegen unsere Länder und unsere Völker richtet. Wir haben die Krise Osteuropas und des dort aufgezwungenen Weges zum Sozialismus bewertet. Wir haben die revolutionären Strategien der Linken dieses Teils der Welt und die Herausforderungen, die durch die internationale Situation entstehen, nochmals überdacht. Wir sind mit diesem und anderen Vorhaben mit vereinten Kräften vorwärts gekommen.

Dieses Treffen ist ein erster Schritt zur Identifikation und Annäherung an die Probleme. Wir bereiten ein weiteres Treffen in Mexiko vor, wo wir weiterhin unsere Willen und Intelligenz für die permanente Analyse, die wir eingeführt haben, vereinen werden. Dort werden wir die Debatte vertiefen und mit den Vorschlägen zur Einigkeit im anti-imperialistischen Kampf fortschreiten. Wir fördern auch den spezialisierten Austausch im Angesicht der wirtschaftlichen, politischen und sozialen und kulturellen Probleme denen die kontinentale Linke heute gegenübersteht.

Wir haben festgestellt, daß alle Organisationen der Linken sich darüber einig sind, daß die gerechte, freie und souveräne Gesellschaft und der Sozialismus nur im Einklang mit dem freien Willen der Völker und ihren historischen Wurzeln überleben können.

Deshalb bekunden wir unseren gemeinsamen Willen, das Denken der Linken und den Sozialismus zu erneuern, seinen emanzipatorischen Charakter zu bestärken und fehlerhafte Auffassungen zu korrigieren sowie jede Äußerung von Bürokratismus und Abwesenheit einer wirklichen Sozialdemokratie der Massen zu überwinden. Für uns kann die freie, souveräne und gerechte Gesellschaft, die wir anstreben, nur die authentische Demokratie und die tiefste Gerechtigkeit für die Völker sein.

Deshalb lehnen wir es ab, die Krise Osteuropas als Vorwand zu gebrauchen, die kapitalistische Restauration und den Imperialismus zu unterstützen. Wir lehnen es ab, die sozialen Errungenschaften und Rechte zu vernichten und die Illusion der nicht existierenden Vorteile des Liberalismus oder Kapitalismus zu unterstützen.

Wir wissen durch die historische Erfahrung der Unterwerfung unter kapitalistische und imperialistische Regime, daß die dringendsten Entbehrungen und die. tiefsten Probleme unserer Völker ihre Wurzeln in diesem System haben und in ihm keine Lösung finden können. Ebensowenig allerdings in den eingeschränkten, bevormundeten und militarisierten Demokratien”, die in vielen unserer Länder herrschen. Der Fortschritt, nach dem sich unsere Völker sehnen, kann nur über profunde Transformationen, die von den Massen in Bewegung gesetzt werden, stattfinden.


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