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    Brasilien: Toninho Geraes gegen Adele (19. Oktober 2021)

    Noticias_Brasilien_Bild_Quetzal-Redaktion_gcToninho Geraes ist ein brasilianischer Sänger und Songwriter, der eine ganze Reihe von Liedern geschrieben hat, die – meist gesungen von Kollegen – heute bereits Klassiker sind. Außerhalb Brasiliens allerdings dürften ihn wohl nicht allzu viele kennen. Das könnte sich jetzt ändern, denn Geraes erhob den neuesten Plagiatsvorwurf in der brasilianischen Musikszene. Es gab in der internationalen Popmusik schon einige dieser Vorwürfe; die brasilianische Musik ist vielseitig und hat viele Liebhaber. Darunter offensichtlich auch Komponisten in der ganzen Welt, die sich hin und wieder bei brasilianischen Stücken bedienen und das Ergebnis als eigenes Werk ausgeben. Der spektakulärste Fall war zweifellos der von Rod Stewart, der sich bei einem Lied von Jorge Ben Jor bediente und das Plagiat schließlich zugab. Jetzt trifft es die britische Sängerin Adele, die sich mit dem Vorwurf konfrontiert sieht, ihr Song „Million years ago“ aus dem Jahr 2015, plagiiere Geraes’ „Mulheres“. Das Lied, das in der Interpretation von Martinho da Vila ein Hit wurde, stammt aus dem Jahr 1995. Vielleicht hat Toninho Geraes ja recht, wenn er mutmaßt, man hätte wohl geglaubt, dass ‚dieser Bursche aus Brasilien‘ nichts merken würde; noch dazu, bei einem so alten Lied. Der Fall selbst ist nicht mehr ganz neu, denn der Anwalt von Geraes hatte bereits vor einem guten halben Jahr Mahnungen an Adele, den Komponisten Greg Kurstin, das britische Plattenlabel XL Recording und Sony Music geschickt. Eine Antwort kam bisher nur von Sony – man prüfe den Fall. Adele und Kurstin hüllen sich in Schweigen. Derweil sammelt Geraes’ Anwalt Beweise, um Klage erheben zu können. In Brasilien stellen Anwälte im Auftrag der Medien Vermutungen an, ob die Klage Erfolg haben wird und brasilianische Fans gehen mittlerweile nicht sehr nett mit Adele um. Urheberrechtsklagen, so weiß man, sind meist sehr langwierig. Das könnte der Geschichte letztlich eine größere Publizität verschaffen, auch außerhalb Brasiliens. Vermutlich wird dann einige Zeit lang niemand die Frage stellen: Wer ist Toninho Geraes? (Bildquelle: Quetzal-Redaktion_gc)

    Brasilien: Historische indigene Mobilisierung wartet auf maßgebliches Urteil der brasilianischen Justiz (31. August 2021)

    Noticias_Brasilien_Bild_Quetzal-Redaktion_gcHeute beginnt das Gerichtsverfahren, in dem der Oberste Gerichtshof Brasiliens (Supremo Tribunal de Justiça – STJ) über das Eigentum an angestammtem Land im Süden des Landes entscheiden wird. Der Beginn des Prozesses wurde seit Anfang letzter Woche von VertreterInnen von mehr als 170 indigenen Gemeinden begleitet, die unter dem Motto »Luta pela vida« (dt.: Kampf fürs Leben) in der Nähe des Sitzes des STJ in der brasilianischen Hauptstadt Brasilia kampieren. Den Demonstranten zufolge handelt es sich um die größte indigene Mobilisierung in der Geschichte Brasiliens und den wichtigsten Prozess des Jahrhunderts. In der ursprünglich für den vergangenen 26.08. anberaumten Verhandlung muss der Oberste Gerichtshof über das Urteil eines Berufungsgerichts in Bezug auf ein bestimmtes Gebiet im Bundesstaat Santa Catarina entscheiden, das jedoch ein Schlüsselurteil in Bezug auf die Eigentumsrechte indigener Völker darstellt und nach Ansicht von Experten Auswirkungen auf zahlreiche Streitigkeiten über Naturreserven haben wird. Die Klausel, die im Mittelpunkt der Diskussion steht, bezieht sich auf das sogenannte „Zeitrahmen-Kriterium“, nachdem die Gebiete, die den indigenen Gemeinschaften gehören, anhand der Gebiete definiert werden, die zum Zeitpunkt der Verabschiedung der Verfassung von 1988 von Gemeinden bewohnt waren. Nach Ansicht der Demonstranten handelt es sich dabei um eine falsche Darstellung eines Prinzips, das ursprünglich zur Legitimierung indigener Eigentumsrechte erlassen wurde. Es wird geschätzt, dass mehr als 60 Prozent des Landes, das derzeit von indigenen Gemeinschaften genutzt wird, enteignet werden kann, wenn das Gericht zugunsten der Resolution entscheidet. Präsident Jair Bolsonaro hat sich offen für das „Zeitrahmen-Kriterium“ ausgesprochen und behauptet, dass die geringe Dichte der indigenen Bevölkerung im Land eher ein Hindernis für die freie landwirtschaftliche Expansion darstellt. Indigene VertreterInnen, die die systematische Invasion ihrer Gebiete und die Zunahme von Gewalttaten durch die Sicherheitskräfte seit dem Amtsantritt Bolsonaros 2019 anprangern, machten außerdem geltend, dass dieses Kriterium nicht berücksichtigt, dass indigene Bevölkerung im Laufe der Geschichte und insbesondere während der Militärdiktatur, die 1964 begann und nur drei Jahre vor Inkrafttreten der Verfassung endete, durch Gewaltanwendung aus ihren Gebieten vertrieben worden waren. Die schätzungsweise ca. 900.000 Indigenen, die derzeit im Land leben (etwa 0,5% der Bevölkerung), bewohnen Reservate, die 13 Prozent des Staatsgebiets einnehmen – was im Fokus von Geschäftssektoren wie der Agrarindustrie und dem Bergbau steht (Bildquelle: Quetzal-Redaktion, gc).


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