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Quinoa – das Gold der Inka

Autor:  | September 2014 | Artikel empfehlen

Bolivien: Quinoa-Plantage - Foto: Muruchi„Eine Zukunft ausgesät vor Tausenden von Jahren“ – mit diesem Slogan riefen die UNO und die Welternährungsorganisation FAO im vergangenen Jahr zum Internationalen Jahr der Quinoa auf. Damit wurde international anerkannt, dass das Andengewächs das Potential hat, zur Nahrungssicherheit weltweit beizutragen.

Beschreibung und Systematik

Quinoa, die Betonung liegt auf der 1. Silbe, oder „kinuwa“, wie es in der Inkasprache Quetschua heißt,  ist  eine einjährige krautige Pflanze mit einer Wuchshöhe von 20 Zentimeter bis drei Meter, einem aufrechten, verzweigten Stengel mit Blättern in Gänsefußform und Rispen zwischen 30 und 80 cm Länge. Jede Rispe ist mit 80 bis 120 Büschel ausgestattet und kann 100 bis 3000 Samenkörner enthalten. Der wissenschaftliche Name ist Chenopodium quinoa willd. Willd nach dem deutschen Botaniker Carl-Ludwig Willdnow, der die Pflanze erstmalig 1797 beschrieb. Inkakorn oder Perureis – so nennt man die Pflanze auch in der Umganssprache. Sie ist aber kein Getreide, sondern gehört zur Familie der Fuchsschwanzgewächse und zur Gattung der Gänsefußgewächse. Damit ist Quinoa mehr verwandt mit  Spinat, Mangold und roter Bete. Gegessen werden die Samen der Pflanze, aber auch die Blätter als Spinat oder Salat.

Anbaugebiet

Das „Inkakorn“ ist in Wahrheit viel älter als die Inka-Kultur. Es diente den Ureinwohnern der südamerikanischen Anden bereits vor 7.000 Jahren als wichtige Nahrungsgrundlage. Während der Inkazeit wurde Quinoa in den Hochebenen, Tälern und Hängen der Anden in einer Höhe zwischen 2.500 und 4.000 Meter über dem Meer auf dem heutigen Territorium von Peru, Bolivien, Ecuador und Chile angebaut. Mit der Ankunft der Spanier setze der Siegeszug  europäischer  Getreidearten wie  Weizen, Gerste und Hafer in der „neuen Welt“ ein, und der Niedergang der einheimischen Quinoa begann.  Nur in Höhenlagen von bis zu 4.000 Meter, wo die „neuen“ Getreidesorten nicht mehr wuchsen,  wurde die Pflanze  zur Selbstversorgung der Andenbewohner weiterhin angebaut.

Vom verschmähten „Indiofutter“ zum international nachgefragten Nahrungsmittel

Die  Samen mit dem hohen Nährwert galten bis vor kurzem bei der wohlhabenden Stadtbevölkerung als „billiges Indiofutter“ und wurden mehr oder weniger ignoriert. Der Aufschwung der Quinoa-Produktion begann vor mehr als zwanzig Jahren. Mehrere Faktoren sind dafür verantwortlich: Die Erforschung von Quinoa und Amaranth durch die NASA, und die Veröffentlichung von Berichten über den außerordentlichen Nährwert machten Quinoa international bekannt, und es entwickelte sich eine Nachfrage bei Konsumenten mit veganer und vegetarischer Lebensweise sowie Verbrauchern mit einer Glutenunverträglichkeit in den USA und Europa.

Die ökonomische Krise in den Andenländern zu Beginn der 1980er Jahre begünstigte die Orientierung auf die neuen Märkte in den USA und Europa. In Bolivien versucht seit 1983 eine Gruppe bolivianischer Kleinbauern, die sich zur Asociación Nacional de Productores de Quinua (Anapqui) zusammen geschlossen hatte, Verarbeitung und Vermarktung von Quinoa zu verbessern,  weil immer mehr Bauern und ihre Familien das südliche Hochland (Altiplano) verließen und die Quinoa-Produktion einstellten. Die Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der 3. Welt (gepa) und andere europäische Nicht-Regierungsorganisationen unterstützen Anapqui.

Eigenschaften

Dass ein Nahrungsmittel mit einem Nährstoffprofil wie Quinoa bis vor kurzem so stiefmütterlich behandelt wurde, ist schon verwunderlich. Vor allem die Samen der Pflanze haben es in sich. Der Eiweißgehalt des „Pseudogetreides“ liegt bei 15 Prozent und übertrifft somit den von Weizen, Hafer, Mais und Reis. Der Gehalt an Eiweiß ist nicht nur höher, Quinoa ist auch eine der besten Eiweißquellen überhaupt, weil die Samen alle neun essentiellen Aminosäuren enthalten und diese durch den Körper besonders leicht aufgenommen werden können. Viele essentielle Mineralien wie Calcium, Eisen, Zink, Magnesium und Phosphor, wichtige Vitamine, wie A, C, B1, B und E stecken in dem  „Wunderkorn“. Es ist reich an essentiellen ungesättigten Fettsäuren und enthält Omega-3-Fettsäuren, wie sie auch im Fisch zu finden sind. Ein weiterer entscheidender Vorteil gegenüber Getreide ist, dass die Samenkörner frei von Gluten sind und daher ein geringeres Allergiepotential haben als Weizen und Co.

Quinoa ist als ideales Grundnahrungsmittel in der Küche vielseitig einsetzbar: Als Vorspeise, Hauptgericht, Dessert, Snack und Getränk können die Samen gekocht, gekeimt, gemahlen und gepoppt  werden. Bolivien: Quinoa-Plantage - Foto: Muruchi

Als ob das noch nicht genug wäre, zeichnet sich die Pflanze durch ihre Robustheit  aus.  Sie verträgt sengende Hitze, eisige Kälte, Trockenheit und einen Boden, der salz- und säurehaltig ist. Die beste Quinoa, die Quinoa Real, auf deutsch „Königs-Quinoa“, wächst in Bolivien rund um den wegen seiner Lithiumvorkommen bekannten Salzsee von Uyuni und um den Salzsee Coipasa. In einer Höhe von fast 4.000 Metern findet die Pflanze ideale Bedingungen, und der traditionelle Quinoa-Anbau kommt hier ohne Pestizide und Kunstdünger aus. Seitdem die Nachfrage nach Quinoa in Bolivien so stark anstieg (seit 2006 wuchs  die Nachfrage aus dem Ausland um das Tausendfache),  wird auch in tiefergelegenen Ebenen ausgesät. In den schlecht angepassten Kulturen stieg der Schädigungsdruck kräftig an, damit auch die Versuchung, mit chemischen Schutzmitteln die bedrohe Ernte zu retten. Um solchen Gefahren entgegenzutreten, zahlt die Gepa zusätzlich zum fairen Preis noch einen Bioaufschlag für ökologisch angebaute Produkte. Für die Zertifizierung ist der deutsche Anbauverband Naturland zuständig, der zu diesem Zweck mit nationalen Kontrollstellen kooperiert. Auch die in der Samenschale der Quinoa enthaltenen, bitter schmeckenden Saponine schützen die Pflanze vor schädlichen Insekten. Aus Züchtungen hervorgegangene  saponinfreie Sorten (süße Quinoa) sind daher bei den Kleinbauern nicht beliebt. Im unbehandelten Zustand ist die bittere Quinoa (mit Saponin)  ungenießbar. Aber handelsübliches Quinoa ist geschält oder gewaschen und dadurch vom Saponin befreit und entbittert. Exportunternehmen haben bei der Mechanisierung der Aufbereitung der Quinua geholfen. In traditioneller Weise brauchte man für die Aufbereitung der Samen gleicher Menge einen Monat, heute 24 Stunden. In Deutschland wird vor allem die Quinoa Real  aus Bioanbau angeboten. In Bolivien werden 22 Hauptsorten angebaut. Hier befindet sich auch die größte Genbank mit 3.800 registrierten Sorten. Auf Grund dieser Vielfalt und ihrer anderen positiven Eigenschaften könnte diese Pflanze weltweit einen großen Beitrag zur Nahrungssicherheit leisten.

Bolivien als Hauptproduzent und -exporteur

Bolivien ist aktuell der größte Quinoa-Produzent mit einem Anteil von 46 Prozent an der Weltproduktion. Die zweite Stelle, mit 42 Prozent der Weltproduktion, nimmt Peru ein, an dritter Stelle stehen die USA. Erstmalig profitieren  von dieser Entwicklung in Bolivien Tausende von indigenen Familien aus dem Altiplano (Hochebene in den bolivianischen Anden), die seit der Kolonialisierung traditionell in tiefster Armut lebten. In seiner Rede auf der 68. Generalversammlung der Vereinten Nationen führte der bolivianische Präsident Evo Morales Ayma aus: „Wir haben Armut und extreme Armut verringert. Die Zahlen der Vereinten Nationen belegen, eine Million der Bolivianerinnen und Bolivianer sind in die Mittelklasse aufgestiegen.  Das bedeutet, 10 Prozent der Bevölkerung hat ihre wirtschaftliche Situation verbessert“.(1) Viele der Kleinbauern aus der Andenhochebene gehören zu diesen 10 Prozent.

Bolivien erzielte 2012 aus dem Export von Quinoa Einnahmen von 71 Mill. US-Dollar. 2013 ist die Anbaufläche gegenüber dem Vorjahr um 25 Prozent und die Quinoa-Produktion um 56 Prozent gewachsen.(2) Die  gestiegene Nachfrage ist trotzdem noch höher als das Angebot. Der extensive Anbau bringt neue Probleme hervor. Die Kleinbauern des Altiplano, die traditionell Quinoa anbauen, betreiben parallel auch Viehzucht (Lamas, Alpakas, Schafe). Das  Weideland dafür wird zu gunsten des Quinoa-Anbaus reduziert, weniger Dung für die Quinoa-Felder ist die Folge. Früher ließ man nach der Quinoa-Ernte den Boden bis zu acht Jahren ruhen, oder man baute Zwischenfrüchte und Quinoa in Mischkultur an. Die Humusschicht auf dem Altiplano ist sehr dünn und braucht eine sorgsame Behandlung. Durch Monokulturen und durch jährliche  Aussaat von Quinoa auf der gleichen Fläche schreitet die Bodenerosion voran.

Die bolivianische Regierung unternahm gerade im Internationalen Jahr der Quinoa alle Anstrengungen, um den Export weiter auszubauen. Die Orientierung auf den Export ist aber auch ein zweischneidiges Schwert. Der Preis der Quinoa hat sich in den letzten Jahren verdreifacht, und nicht für jeden, der früher Quinoa konsumierte, ist das Produkt heute noch erschwinglich. Die Stadtbevölkerung hat sich früher kaum von Quinoa ernährt. Der  Inlandverbrauch ist trotzdem gestiegen, weil sich inzwischen eine Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Nahrungsmiteln bei Teilen der wohlhabenden Bevölkerung herausgebildet hat. Aktuell wird eine Diskussion über die Stützung des Quinoa-Preises im Inland geführt. Der Vizeminister für landwirtschaftliche Entwicklung, Víctor Hugo Vásquez, erteilte dieser Forderung nach Preisstützung (gefordert wurden bis zu 50 Prozent) eine Absage mit der Begründung, dass Quinoa nie Bestandteil des repräsentativen Warenkorbs in Bolivien war und dass bereits in 70 Ländern Quinoa angebaut wird. Die sinkende Nachfrage aus dem Ausland würde dazu führen, dass die Preise für Quinoa auf dem bolivianischen Markt sinken werden.(3) Zur Zeit bietet die bolivianische Regierung mit dem Programm „kostenloses Schulfrühstück“ und dem „Mutter-Kind-Programm“ einem Teil der armen Bevölkerung die Möglichkeit, sich mit Quinoa-Produkten zu ernähren.

Die gute Anpassungsfähigkeit des „Inkakorns“ an verschiedene klimatische Bedingungen in den unterschiedlichsten Ländern gefährdet die Vormachtstellung Boliviens in der Produktion und dem Export von Quinoa. Die beste Quinoa aber, die biologisch angebaute Quinoa Real sucht auf dem internationalen Markt ihresgleichen. In einer öffentlichen Anhörung vor dem Europäischen Parlament am 18. September 2013 führte Vizeminister Vásquez aus, dass die bolivianische Regierung sich dafür einsetzt, dass immer mehr Staaten in der ganzen Welt (zu diesem Zeitpunkt waren es mehr als zwanzig) die Herkunft der bolivianischen Quinoa Real anerkennen, die an den Salzseen angebaut wird.(4) Auf Grund dieses Spitzenprodukts und der entsprechenden internationalen Vermarktung könnte Bolivien auch in der Zukunft ein wichtiger Exporteur von Quinoa bleiben.

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(1) http://www.bolivia.de/fileadmin/Dokumente/Presse-Medien_Dt%2BSp/Presseerklaerungen/2013/PRESSEMITTEILUNG-_COMUNICADO_No_24_-2013-_Evo_en_la_ONU.pdf (besucht am 21.10.2013)

(2)  http://www.erbol.com.bo/noticia/economia/09102013/viceministro_dice_que_no_habra_subvencion_la_quinua (besucht am 21.10.2013)

(3) Vgl. ebenda.

(4)http://www.la-razon.com/economia/Bolivia-defiende-Parlamento-Europeo-beneficios_0_1909009154.htm (gelesen am 21.10.2013). Weitere Quellen:

http://www.bolivia.de/fileadmin/Dokumente/DestacadosEmpfehlenswertes_Footer/PoliticaNacionalQuinua.pdf (gelesen am 22.09.2013) sowie http://www.quinuainternacional.org.bo/menu (gelesen am 22.09.2013)

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Bildquellen: [1]; [2] Quetzal-Redaktion, Muruchi Poma

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1 Kommentar zu “Quinoa – das Gold der Inka”

  1. Quinoa – Supergetreide aus den Anden? | pachamamaphoto vom 24. Juli 2015 - 00:56 Uhr

    […] http://www.quetzal-leipzig.de/lateinamerika/bolivien/quinoa-das-gold-der-inka-19093.html […]

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