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Koka, Terror und der Inka Aufstand –
Marcel Kolvenbach über seinen Film – Teil 2

Autor:  | September 2009 | Artikel empfehlen
Bolivien - Koka, Terror und der Inka-Aufstand - Teil 2

Die Rhetorik beider Seiten

Kokapflanze mit Blüte. Foto/Copyright: Marcel Kolvenbach.Die größte Kritik, die ich meinem Film vorhalten würde ist, dass er auf der Ebene der Rhetorik von beiden Seiten bleibt. Mein Film versucht beiden Seiten und ihren Argumenten Glauben zu schenken: Die Rhetorik von Elsa und Diana, dass das die Identität ihrer indigenen Wurzeln an die Existenz dieses heiligen Blattes geknüpft sei. Rhetorik, weil es in Wahrheit viel komplizierter ist. Diana hat zwar indigene Wurzeln, wuchs aber – wie so viele – in der Stadt auf, weit weg von den indigenen Gemeinschaften, auch, weil in deren Territorien ein dauernder Krieg herrscht. Die Großstädte Lateinamerikas sind voll mit Menschen, die vor Krieg im eigenen Land geflüchtet sind. Die Sehnsucht nach der Rückkehr zu den eigenen Wurzeln und Ursprüngen ist groß. Diana hat unter Tränen in einem kleinen indigenen Dorf, aus dem ihr Vater stammt, diese innere Zerrissenheit geschildert. Die Identifikation mit dem Kokablatt, die Suche nach der eigenen Identität, der Kampf für die indigene Sache ist für sie auch eine Art Selbstheilung, der Versuch, die Wunden der Entwurzelung zu heilen. Ihr Vater wurde von rechten Paramilitärs ermordet, die Justiz hat sich nie getraut, den Fall wirklich aufzuklären. Dianas Mutter habe man gesagt, wenn sie und ihre Tochter leben wolle, solle sie die Sache lieber vergessen. Der Kampf für das Kokablatt ist auch Dianas Kampf um den verlorenen Vater und die verlorene Heimat. Ähnlich verhält es sich bei Elsa. Mit dem Koka-Blatt auf ihren Fahnen kann sie die Massen mobilisieren, die sozialen Rechte einfordern und die Regierung zu Zugeständnissen erpressen. Nur die Drohung: wenn ihr nichts für uns tut, dann werden wir noch mehr Koka anbauen und werden diesen Staat auseinanderbrechen lassen, nur diese Drohung bewegt die herrschende Klasse in Lateinamerika, sich Gedanken über die weniger Privilegierten zu machen. Früher war es die Kalaschnikow und die rote Fahne, der Terror des Leuchtenden Pfades und anderer Guerillas. Doch dieser Kampf ist gescheitert. Weil die Gegenseite die besseren Waffen und den längeren Atem hatte, aber auch, weil die Bewegung von Menschen geführt wurde, die ihren Blutrausch im Führerwahn auslebten, statt eine ordentliche Revolution der Massen zu organisieren. Tatsächlich waren es in Peru in der Zeit des Terrors genau die Menschen für die sie vorgaben zu kämpfen, die zwischen 1980 und 2000 zu Zehntausenden niedergemetzelt wurden.

Doch die Rhetorik der Gegenseite verstellt genauso den Blick auf die wahre Motivation. Regierungen und die internationale Gemeinschaft, allen voran die USA argumentieren immer wieder mit dem Kampf gegen den Anbau. Das Tragische an dem militärischen Kampf gegen den Drogenanbau ist, dass gerade dieser Kampf zu einem Wettrüsten und einem immer brutaleren Drogenkrieg führt. Es gibt nur zwei Gewinner: die Rüstungsindustrie, die beiden Seiten immer ausgefeiltere Waffen zur Verfügung stellen kann und die Kartelle, denn der Krieg macht die Droge zu einer immer knapperen und damit teureren Wahre.

Das Tragische ist, dass die Rhetorik beider Seiten so überzeugend ist, dass alle daran glauben, vor allem auch die Protagonisten selber. Vielleicht auch, weil alle anderen rhetorischen Formen in der jüngeren Geschichte gescheitert sind. Der Kommunismus hat wenige Freunde, Leuchtender Pfad und Co. sind „uncool“ in Zeiten in denen auch Koka-Bauern auf dem Weg zur Demo zu Shakira tanzen. Da das Koka-Blatt so in den Vordergrund des Krieges gerückt ist und da das Koka-Blatt historisch, kulturell und politisch so beladen ist, kommt man einfach nicht an diesem verdammten Blatt vorbei.

Evo Morales ist es gelungen, mit diesem Blatt die Präsidentschaft zu erreichen, weil seine Wähler spüren, dass die Botschaft dieses Blattes ihre Kultur, ihre Geschichte, ihre soziale Situation und Identität umfassend berücksichtigt.

Elsa Malpartida hat die Massen in Lima auf die Strassen gebracht, weil die Menschen spüren, dass ihr Kampf für das Kokablatt auch bedeutet dafür zu kämpfen, Schulgebühren für die Kinder bezahlen zu können oder einen Arzt für die kranke Mutter. Und die indigene Andenbevölkerung hat so eine ehrfurchtvolle Haltung zum Kokablatt wie spanische Katholiken zur Jungfrau Maria. Das Kokablatt, Mama Coca ist eine „Mutter Gottes“, Medium zu Gott und Heiligenbild.

Doch gleichzeitig verstellt uns das Kokablatt den Blick. Es macht es denen leicht, die mit internationalen Geldern, UN-Programmen und US-Militär gegen den Anbau des Kokablattes kämpfen, zu glauben, dass dieser Kampf unvermeidlich sei. Darum habe ich während der Arbeit an diesem Film oft über dieses Blatt geflucht.

So habe ich mich an diesem heiligen, verwünschten Blatt abgearbeitet und war hin und her gerissen zwischen der Rhetorik, mit der beide Seiten erfolgreich für ihre Sache kämpfen und der eigentlichen Geschichte hinter dem Blatt und bin zum Schluss gekommen, dass man die Geschichte von Diana, Elsa und Evo Morales nicht ohne Kokablatt erzählen kann.

Dennoch bleibt mir bis zum Schluss das Unbehagen, dass es am Ende nicht um das Blatt geht, sondern darum, dass internationale Konzerne den Zugriff auf Rohstoffe haben wollen, ohne sich mit irgendwelchen Leuten herumzuschlagen, die ein „indigenes“ Recht auf Land und Boden einfordern. Darum geht der Krieg in Kolumbien, Peru und Bolivien. Es geht um Gasvorkommen, Öl, Holz, sogar Wasser und Sauerstoff. Und es gibt die Regierungen, die gerne die großen „Deals“ über diese Rohstoffe machen würden, ohne die Profite auf die Bevölkerung zu verteilen. Es ist am Ende also ein Verteilungsproblem.

Die USA unterstützen den militärischen Kampf gegen die Koka-Pflanze. Tatsächlich aber geht es darum, die ihnen „genehmen“ Regierungen mit militärischem Gerät und Ausbildung auszustatten, um eine (linke) Opposition in Schach zu halten.

Uns ist gelungen in der wichtigsten Militärbasis der Amerikaner in Peru zu drehen. Von hier aus werden die Flüge der peruanischen Spezialkräfte gegen die Koka-Bauern geflogen. Ihre Einsätze richten sich explizit auch gegen die Felder von „Artemio“, dem aktuellen Führer des Leuchtenden Pfads. Hier beginnt der politische Kampf gegen eine Guerilla.

Auf meiner Drehreise habe ich in Häusern geschlafen, die von der Anti-Drogen Polizei beschlagnahmt worden waren und später von den Koka-Bauern zurückerobert wurden. Halbe Ruinen für konspirative Treffen. Auch hier fiel der Name „Artemio“ hin und wieder, ehrfürchtig, mit Bewunderung. Da wurde mir klar, es herrscht noch immer Krieg in den Anden und ich hatte das Privileg mich auf beiden Seiten der Frontlinie bewegen zu dürfen. Oft habe ich nicht nach links oder rechts geschaut, da ich wusste, dass ein zu neugieriger Blick tödlich sein kann. Ich wollte nicht alles wissen. Ich wollte nicht jeden Namen notieren. Ich hatte das Gefühl eine gewisse Naivität kann Leben retten …

Der Preis des politischen Widerstandes

Spezialeinheiten der Anti-Drogen-Polizei CORAH bei Limon Alto, Peru (Oktober 2007). Foto/Bildrechte: Marcel Kolvenbach.Der ARTE-Film „Koka, Terror und der Inka-Aufstand“ ist ein Roadmovie geworden. Ich habe versucht Eindrücke und Erfahrungen, die ich in fast 10 Jahren in der Region gesammelt habe noch einmal in einer einzigen Reise für den Zuschauer erlebbar zu machen. Diana Perafan macht sich aus Kolumbien auf den Weg über Peru nach Bolivien, um die Akteure des Anden-Rates wieder zusammenzubringen. Denn seitdem der Präsident der Bewegung, Evo Morales, Staatspräsident geworden ist, fehlt dieser grenzüberschreitenden Bewegung eine wichtige Leitfigur.

Diana, eine Mutter von drei Kindern, riskiert in Kolumbien täglich ihr Leben, denn ihre Arbeit ist hochpolitisch. Was ist ihr „Vergehen“? Sie kämpft für die Rechte der indigenen Bevölkerung, die in Kolumbien, anders als in Bolivien, absolut marginalisiert ist und zwischen der Gewalt von Guerilla und Paramilitärs zerrieben wird. Mit ihr reiste ich zu den indigenen Gemeinschaften in der Sierra Nevada de Santa Marta und in ihre Provinz im Valle del Cauca. Wir waren immer einen Steinwurf von der Frontlinie der FARC entfernt und haben die Linie wohl mehrmals überschritten, aber ich habe mich selten so sicher gefühlt wie in Begleitung dieser mutigen Frau. Nach den Dreharbeiten bekam Diana massive Probleme, verlor ihren Jura-Studienplatz, wegen ihrer politischen Aktivitäten. Als Krankenschwester hat sie in den entlegensten Winkeln Kolumbiens gearbeitet, nun möchte sie als Anwältin für die Rechte „ihrer“ Leute kämpfen. Doch für die Arbeit die sie und andere Menschenrechtsaktivisten machen, erhalten sie regelmäßig Morddrohungen von rechten Paramilitärs. Ich traf Dianas Onkel, der gerade bei einer Entführung durch die Polizei, oder Leuten in Polizeiuniform, schwer verletzt wurde – zum Glück konnte er fliehen. Jede Familie, die ich in Kolumbien traf, hatte einen nahen Angehörigen durch den internen Konflikt verloren. Mitten im Krieg. Mutig halten sich indigene Gemeinschaften und versuchen sich mit Selbstversorgung durchzuschlagen, doch tägliche Morde machen auch den härtesten Widerstand mürbe.

In Peru und Bolivien konnte Diana durchatmen. Immerhin gibt es hier eine Kokabauernbewegung, die auch für die Interessen der Indigen spricht. Die Dreharbeiten in Peru waren dennoch schwieriger als in Kolumbien. Mit Elsa Malpartida zu drehen hieß, es sich mit der Regierung zu verscherzen. Das Tal des Apurimac und Ene ist eines der Hauptdrogenanbaugebiete in der Region. Ich habe Elsa in Tingo Maria getroffen. Von dort sind wir in die Koka-Anbaugebiete vorgedrungen, die Region, in der das Militär massiv gegen den Drogenanbau vorgeht. Kriegsgebiet. Gute Freunde aus Lima hatten mir die Reise praktisch verboten, pochten auf Polizeischutz und warnten vor Entführungen und Anschlägen. Tatsächlich sollen sich hierhin die versprengten Reste des Leuchtenden Fades zurückgezogen haben und jetzt mit dem Drogenhandel gemeinsame Sache machen. Um das Risiko klein zu halten, war ich alleine mit kleiner Kamera losgezogen, kein auffälliges „Kamerateam“, sondern als Guerilla-Filmemacher unterwegs in Bus und Taxi mit den Menschen vor Ort.

Spezialeinheiten der Anti-Drogen-Polizei CORAH bei Limon Alto, Peru (Oktober2007). Fotot/Bildrechte: Marcel Kolvenbach.Mitten in den Dreharbeiten mit den Koka-Bauern kommt es zu einer unheimlichen Begegnung mit der Anti-Drogenpolizei. Der Himmel ist plötzlich voll von Militärhubschraubern. Die „Erradicadores“, die die Pflanzen in Peru manuell ausreißen werden von einem Heer schwer bewaffneter Spezialpolizisten bewacht, die mehrere Schutzringe bilden. Die Koka-Bauern haben ihre Felder vermint. Der Gedanke an die Minen und die schweren Waffen der Polizisten hält mich davon ab, ganz vorne mitzulaufen. Ich komme ein paar Minuten nach Elsa am Ort der Konfrontation an. Bauern mit Stöcken und Steinen bewaffnet auf der einen Seite, Maschinengewehre und schusssichere Westen auf der anderen Seite. Nach einem Tumult zwischen den gegnerischen Seiten zieht sich die Antidrogeneinheit zurück. Ich bin beeindruckt. Kein Schuss ist gefallen, dafür haben die Polizisten alles auf Video festgehalten. Am Abend flimmert der Zusammenstoss auf den Kokafeldern über die Bildschirme im ganzen Land. Meine Freunde in Lima rufen mich besorgt an. 8 Stunden dauert unsere Rückfahrt auf Schotterstraßen nach Tingo-Maria. Elsa muss nach dem Vorfall mit einem Schwächeanfall ins Krankenhaus. Mir wird gesagt, dass sie nicht nur Feinde auf Regierungsseite hat, sondern auch in der Region, seitdem sie einen Sitz im Andenparlament gewonnen hat. Elsa versucht eine schwierige Gradwanderung. Sie kämpft für politische Lösungen für die Kokabauern im Andenparlament. Vor Ort sagt sie den Menschen, sie haben ein Recht auf Widerstand, auch auf Gewalt, wenn die Regierung Gewalt anwendet. Sie braucht den Druck der Straße, um bei den Mächtigen im Lande Gehör zu finden. In Lima bietet sie sich als Vermittlerin an, die eskalierende Gewalt in den Kokagebieten einzudämmen, und kehrt dann in die Gebiete zurück, um einen Waffenstillstand auszuhandeln. Bei radikaleren und gewaltbereiten Kokabauern ist sie darum genauso verhasst wie beim peruanischen Establishment.

Zurück in Lima werde ich von seltsamen Anrufen verfolgt. Am anderen Ende der Leitung werde ich von mir völlig unbekannten Menschen aufgefordert zu einem bestimmten Treffpunkt zu kommen. Ich sage zu, gehe aber nicht hin. Ich schalte mein Handy ab. Die Anrufer wollten mit mir über die Ereignisse auf den Koka-Feldern sprechen. Ich habe kein gutes Gefühl. Ein Blick auf die Seite des Innenministeriums bestätigt meine Sorgen: Ein ausführlicher Bericht der Begegnung wird dort (bis heute) veröffentlicht. Elsa und die Koka-Bauern werden des „Raubes“ angeklagt. Der völlig absurde Vorwurf: sie hätten der Polizei das Essen geraubt. Gut 30 Jahre Haft wird den Beteiligten dafür angedroht. Von einem „offensichtlich ausländischen“ Journalisten ist auch die Rede, damit muss ich gemeint sein. Ich bin froh, dass ich mir in Deutschland ein Journalistenvisum für Peru besorgt habe, 30 Jahre Haft für einen „angeblichen“ Raub von Essensrationen halte ich für unangemessen.

Ich entscheide mich, das Land so schnell es geht zu verlassen. Der Abschied war seltsam. Hoch oben in der Luft, auf dem Weg von Lima nach La Paz kommt eine freundliche Stewardess auf mich zu und fragt mich nach dem Namen. Sie will meine Bordkarte sehen und meinen Pass. Sie nimmt ihn mit ins Cockpit. Die einzige Erklärung, die ich mir auf diesen einmaligen Vorgang machen kann ist, dass das Innenministerium entweder zu spät von meiner Abreise erfahren hat, oder die Bestätigung wollte, dass ich tatsächlich das Land verlassen habe.

Ich mache mir Sorgen um Elsa, rufe sie an und frage, ob sie mein Filmmaterial zur Entlastung braucht, da die Vorwürfe tatsächlich absolut absurd waren. Sie winkt ab, ihre parlamentarische Arbeit im Andenrat gibt ihr Immunität. An dem Tag, an dem sie ihren Sitz im Andenrat verliert, ist sie wieder vogelfrei, sagt sie mir. Noch immer warten zahlreiche Haftbefehle aus Lima auf sie. Opposition kann strafbar sein.

Erst Aufatmen, dann erneute Probleme in Bolivien

In Bolivien kann ich wieder atmen. Zumindest einige Tage. Zu dem geplanten Treffen zwischen Evo Morales und Diana Perafan kommt es leider nicht. Gerne hätte ich den Bogen geschlagen zwischen der Begegnung 2004, als er gemeinsam mit Diana auf die Straße ging, um zu demonstrieren. Tagespolitische Gründe halten ihn ab. Ein großer Flughafen im Osten des Landes ist von Anti-Morales Kräften besetzt. Sie wollen den gasreichen Landesteil vom indigenen Hochland ablösen. Evos Aufstieg hat mit dem Kampf ums Gas begonnen, sollte er mit dem Kampf ums Gas sein jähes Ende finden? In diesen Tagen in La Paz sieht es für einen Moment so aus, als könnte die Regierung Morales schon morgen der Vergangenheit angehören, zu groß sind die Interessen und die Macht seiner Gegner.

Mitten in den Dreharbeiten werden wir von einem hochrangigen Minister gewarnt, dass unsere Kontaktperson in Bolivien, die uns eine ganze Reihe von Interviews vermittelt hatte, für die amerikanische Antidrogenbehörde DEA arbeite. Wir brechen sofort den Kontakt ab. Wir haben die Einladung in die Region zu fahren, in der Evo Morales seine Karriere als Kokabauernführer begonnen hat. Wie in Peru waren es Armutsflüchtlinge, ehemalige Minenarbeiter, die vor Jahrzehnten vor Hunger und Elend in die fruchtbaren Gebiete der Yungas geflüchtet waren. Dort konnten sie sich selber versorgen und weiteten den traditionellen Kokaanbau aus. Kurz bevor wir die Reise antreten, erfahre ich, dass unser Gastgeber der zweitgrößte Bolivianische Drogenbaron sein soll, extrem gefährlich. Der ehemalige Wegbegleiter Evos sei längst bei Präsident Morales in Ungnade gefallen und habe seinen Parlamentssitz verloren. Ich habe das nicht überprüfen können, aber es gab weitere Hinweise darauf, dass die Reise in die Yungas unter keinem guten Stern stand. Dabei ist es gerade Evo Morales gelungen, den Kokaanbau für die traditionelle Nutzung (Kauen, Tauschmittel, allerlei Produkte und Medizin, Göttergabe …) in legale Bahnen zu lenken und den illegalen Anbau in Schach zu halten. Die Regierung Morales versucht den Balanceakt, die Rechte und Interessen der indigenen Bevölkerung zu verteidigen, den traditionellen Kokaanbau zu erhalten und dennoch internationale Verträge zur Begrenzung und Reduzierung der Gesamtanbaufläche durchzusetzen. Es ist nur ein Gefühl und vielleicht täusche ich mich, aber mein Eindruck in La Paz war, dass hier, wo ein Kokabauer an der Regierung ist, die Politik weniger in Drogenhandel verwickelt ist, als in den Ländern, in denen man sich den Kampf gegen den Drogenhandel auf die Fahnen geschrieben hat.

Weil eine innere Stimme mir sagte, nicht über Peru zurückzureisen, nahm ich einen Flug über Santa Cruz nach Argentinien. In Santa Cruz sitzen die Herrschaften, die sich lieber heute als Morgen mit ihren Gasvorkommen vom westlichen Teil des Landes mit seinem indigenen Präsidenten Morales abtrennen wollten. Im Hotel sagt man mir, der Flugverkehr sei eingestellt. Die abtrünnige Provinz hat den Flughafen besetzt. Überall ist Militär, das Land steht vor einem Bürgerkrieg, heißt es. Und dann sehe ich auf dem Rollfeld eine große Maschine der Streitkräfte Venezuelas. Hugo Chaves ist Evo Morales zur Hilfe geeilt. Die Besetzer geben auf, der Bürgerkrieg wird verschoben und wir heben pünktlich ab nach Buenos Aires.

Den ersten Teil des Artikels finden Sie hier.

Koka, Terror und der Inka-Aufstand
Regie: Marcel Kolvenbach
(Deutschland, 2008, 51min)
ARTE 08. September 2009

Fotos & Bildrechte: Marcel Kolvenbach.


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