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Elector 2009 – Wahlen in Bolivien, Teil 2

Autor:  | September 2009 | Artikel empfehlen
Bolivien - Elector 2009 Wahlen in Bolivien (Teil 2)

Elector 2009 - Wahlen in Bolivien, Teil 2Die oligarchische Rechte hat drei ihrer Hauptkandidaten zurückgezogen. Die von der oppositionellen Presse ersehnte gemeinsame Front wird von zwei ehemaligen Präfekten angeführt: Reyes Villa, Ex-Präfekt von Cochabamba, und Leopoldo Fernández, Ex-Präfekt von Pando und momentan im Gefängnis aufgrund des Verdachtes, der Hauptverantwortliche des Massakers von Porvenir im September 2008 gewesen zu sein. In Bolivien, wo alles möglich ist, macht man Wahlpolitik aus dem Gefängnis nach Art der Mafia. Das Beispiel reicht aus, um die Funktionsweise der bolivianischen Justiz zu begreifen. Die extreme Rechte des Landes hat, trotz des Erfolges der Regierung von Evo Morales, ihren Einfluss in wichtigen Bereichen der politischen Macht erhalten: der Justiz, der Presse und auf regionalem Gebiet im Osten. In diesem Kontext ist es uninteressant, ob es eine öffentliche Unterstützung des Bürgerkomitees Santa Cruz für das Gespann der Ex-Präfekten gibt oder nicht, es zählt allein dessen Existenz.

Mit der Nominierung von Ana María Romero, einer ehemaligen Ombudsfrau, der bekannten Gabriela Montaña aus Santa Cuz und der Kämpferin für Bolivien Betty Tejada, von der Vereinigung Santa Cruz Somos Todos, hat der MAS in dreifacher Hinsicht einen Coup gelandet. Man öffnet sich für die bolivianische Mittelschicht, man betont die Rolle der Frau und findet das Interesse an Santa Cruz wieder. In Wahrheit ist es für die Partei dringend notwendig, ihre Glaubwürdigkeit zu stabilisieren. Für die Zukunft Boliviens ist aber nicht nur die Mittelschicht wichtig, sondern auch indigene Führer. Die Präsenz des Anführers der „Ponchos Rojos“, Eugenio Rojas, hat nicht dazu geführt, dass die indigenen Kandidaten – Veliz und Loayza – an Stimmen verloren haben. Auch Rime Choquehuanca, Kandidat der bolivianischen Sozialdemokraten (BS), befindet sich auf dieser Linie. Evo hat wenig Erfolg mit seinen (eigenen) Leuten.

Die Wegwerf-Kandidaten der präfekturalen Oligarchie

Jimena Costa, politische Analystin, stieg als erste aus dem Wahlkampf aus. „Ich möchte nicht zu dem Desaster beitragen“, sagte sie, als sie ihre Entscheidung verkündete. Sie hatte die Rolle einer Spielfigur des Ex-Präfekten von La Paz, José Luis Paredes, der zusammen mit Leopoldo Fernández und Reyes Villa die Figuren auf dem Brett bewegt(e).

Victor Hugo Cárdenas, wird zukünftig den Titel des „filipillo desechable“ tragen. Er verfing sich in der Falle der oligarchischen „Rosca“. Er kündigte seinen Rückzug aus dem Wahlkampf an. Leopoldo Fernández begrüßte diese Entscheidung, obwohl er bedauerte, dass er (Cárdenas) nicht dabei bleiben würde. Sicher eine höhnische Antwort. Natürlich sollte er bleiben, um weiter die Rolle des politischen Vasallen zu spielen, (aber) in keiner Weise als Führer derjenigen, die heute die Revanche suchen. Die Oligarchie brachte ihn als den besten „Indio anti Indio“, sprich anti-Evo ins Spiel. Die uralte Politik der Täuschung stülpte man dem naiven Verhalten einiger „Indios“ über, die es vorziehen, sich als „Mestizos“ zu bezeichnen.

Germán Antelo vom Movimiento Nacionalista Revolucionario (MNR) deutete an, sich aus dem Wahlkampf zurückzuziehen. Ein anderes Verhalten hätten wir auch schwerlich erklären können. Er war Präsident des Bürgerkomitees von Santa Cruz. Nebenbei sollte erwähnt werden, dass auch Tuto Quiroga äußerte, dass: „er einen Schritt zur Seite macht, um die Einheit der Bolivianer zu garantieren”. Vielleicht meinte er damit (die Einheit) der Rechten in Bolivien. Es erklärt nicht, warum Ortiz, Helwig und andere ihn im Stich gelassen haben.

Die zugelassenen Kandidaten

Präfekturale Oligarchie

PPB-CN (Plan Progreso para Bolivia – Convergencia Nacional). Reyes Villa (1955) führt gemeinsam mit Leopoldo Fernández die Liste der Kandidaten an. Der Ex-Präfekt von Cochabamba sagte im Moment der Präsentation seines Gefolgsmannes, so als ob die Welt darüber zu entscheiden hätte: „Die ganze Welt sollte wissen, dass es keine Gerechtigkeit in diesem Land gibt, er ist zu Unrecht inhaftiert – die Menschen kennen diese Situation.”

Moderate Mitte-Rechte

UN (Unidad Nacional). Die führenden Kandidaten sind Samuel Doria Medina (1958) und Gabriel Helbing Arauz aus Santa Cruz, Ex-Gewerkschaftsführer der Central Obrera Departamental von Santa Cruz (COD). Er war Ersatzabgeordneter von PODEMOS. Óscar Ortiz kandidiert als Senator für die Stadt im Osten.

AS (Alianza Social). René Juaquino (1966) ist der Präsidentschaftskandidat. Ihm zur Seite steht der religiöse Charles Suárez, von Beruf Volkswirt.

BS (Bolivia Social Demócrata). Laut ABI wird Rime Choquehuanca (1974) die Liste anführen, gefolgt von der unbekannten Nora Castro. Choquehuanca war Staatsanwalt auf dem Gebiet der Korruptionsbekämpfung.

MUSPA (Movimiento de Unidad Social Patriótica). Auf dieser Liste stehen die Kandidaten Ana María Flores (1953) und Javier Nuñez del Prado.

Linke und Indigenisten

MAS (Movimiento al Socialismo). Evo Morales (1959) und Álvaro Linera wurden als Kandidaten aufgestellt. Zusätzlich zu den oben erwähnten Kandidatinnen fallen auch noch Héctor Arce, ehemaliger Minister für Rechtsverteidigung, sowie General Freddy Bersatti, Ex-Armeekommandeur, auf.

Pulso (Pueblos por la Libertad y Soberanía). Auf dieser Liste befinden sich als Präsidentschaftskandidaten laut ABI der Quechua Alejo Véliz Lazo (1957) und der unbekannte Pablo Valdez Molina.

Gente. Politische Organisation von Víctor Hugo Cárdenas, für die, laut Informationen von Erbol, Román Loayza als Präsidentschaftskandidat ins Rennen geht. Ihm zur Seite steht Porfirio Quispe.

Wahlbarometer (Umfragen)

La Prensa zufolge, die eine von bolivianischen Universitäten durchgeführte Umfrage veröffentlichte, führt Evo Morales mit 41,5 Prozent, gefolgt von Manfred Reyes Villa mit 10,2 Prozent und Doria Media mit 7,2 Prozent der potenziellen Stimmen. Die Erhebungen wurden in La Paz, El Alto, Cochabamba und Santa Cruz durchgeführt.

Übersetzung aus dem Spanischen: Florian Quitzsch


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