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El Método – Die Methode

Autor:  | März 2010 | Artikel empfehlen
Kategorie(n): Argentinien, Film, Gesehen
El Método

Der behemothsche Kampf egomanischer Wirtschaftsmanager

El Método - Die Methode. Ein Film von Marcelo PineyroDas argentinische Kino ist tot. Hoch lebe das argentinische Kino! Dieser oft rasant schnelle Umschwung in den Rezensionen, diese Achterbahnfahrt in den Feuilletons weltweit, der stete Wandel zwischen Cineastik der gähnenden Bedeutungslosigkeit und Weltklasse bestimmte fast das ganze 20. Jahrhundert hindurch die Kritik bei Filmen aus Argentinien. Derzeit scheint es wieder steil bergauf zu gehen mit dem argentinischen Film. Eines der Highlights der letzten Jahre ist zweifelsohne „Die Methode“ von Marcelo Piñeyro.

Zugegeben: „Die Methode“ spielt nicht in Lateinamerika, sondern in Madrid. Aber eigentlich ist der Ort der Handlung egal. Das Szenarium des Films könnte genauso gut in Buenos Aires, Tokio, New York oder London angesiedelt sein. Denn Besprechungszimmer von Großkonzernen sehen überall auf der Welt gleich aus: kalt und steril. Hier nun handelt es sich um ein Büro des fiktiven DEIKA-Großkonzerns in der spanischen Hauptstadt. Es wird 112 Minuten lang die Bühne für ein großartiges Kammerspiel.

Die Handlung lässt sich schnell erzählen. Während in Madrid Globalisierungskritiker gegen IWF, Weltbank und Multis demonstrieren, bereiten sich sieben Männer und Frauen auf ein Bewerbungsgespräch vor. Ihr Ziel: den Posten eines Top-Managers im DEIKA-Konzern zu ergattern. In atemberaubendem Tempo führen die zum Teil dreigeteilten Sequenzen alle Bewerber zusammen – in das bereits erwähnte sterile Besprechungszimmer, um nach der „Grönholm-Methode“ unter sich den triumphierenden Kandidaten auszumachen. Doch was ist die „Grönholm-Methode“? Das bleibt für sie offen. Fest steht, es müssen von der DEIKA-Leitung gestellte Aufgaben erfüllt werden. Jedem steht frei, den Raum zu verlassen; das bedeutete allerdings zugleich das Ende der Bewerbung um den Job. Es beginnen nun gnadenlose Ausscheidungsrunden.

In dem teilweise brillanten Kammerspiel des argentinischen Regisseurs werden gekonnt einige Vorurteile über die modernen Manager genutzt, um die Handlung voranzutreiben. So zeigt sich schon bei der ersten Aufgabe, dass es ihnen vornehmlich um Ergebnisse geht – nicht um die Wahrheit oder tiefgründige Argumente für oder gegen die getroffene Entscheidung. Man denke hier etwa an den Klassiker „Twelve Angry Men“. Sie wollen Ergebnisse, sie bringen Ergebnisse, obwohl sie nicht wissen, ob sie korrekt sind, wohin sie führen, welche Konsequenzen sie haben.

Auch wirtschaftsphilosophisch wirft der Film interessante und tiefgehende Fragen auf. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Umweltverschmutzung stellt sich für die Manager in spe die Frage: Was ist wichtiger – die Umwelt, der Gewinn oder Arbeitsplätze? Darf ein Manager seine eigene Firma verklagen, wenn nur so eine Umweltkatastrophe verhindert werden kann? Und hier tritt das erste Mal auch die Frage auf, was die Folgen der jeweiligen Entscheidungen sind. Beziehen der Job und das „Wohl“ der Firma illegale Aktivitäten mit ein?

Es bleibt im Film keine Zeit, darüber nachzudenken. Und die Protagonisten sind keine Sozialwissenschaftler oder Juristen. Sie sind eiskalte Wirtschaftsmanager. Moral mag eine Rolle spielen. Aber nicht im Kampf aller gegen alle. Autorität ist wichtiger als Dialog, schnelle Entscheidung wichtiger als langfristige Überlegungen. Und so bestimmen abstruse Selbstdarstellung, Ellenbogendenken, egozentrische Aktionen sogar noch im fiktiven Atombunker das Überleben.

Die („Grönholm“-)Methode ist Muster. Die Spirale in dem Ausscheidungsspiel dreht sich immer schneller. Grenze um Grenze wird überschritten. Respekt, Anstand, Aufrichtigkeit gehen verloren. Es kann nur eine egomanische Person in dem behemothschen Kampf gewinnen. Gewinnen? Ist es wirklich ein Sieg? Liegt nicht am Ende alles zerstört am Boden?

In der von Icestorm neu aufgelegten Reihe „Meisterwerke des lateinamerikanischen Films“ findet sich „El Método“ zu Recht wieder. Die Handlung ist sehr gut komponiert, die schauspielerische Leistung überzeugend. Einzig die Szenen auf der Toilette passen nicht so recht in die Dramatik. Und eigentlich bringen sie die Handlung auch nicht voran. Oder wollte der Regisseur hier das Vorurteil des argentinischen Machos unterbringen? So geht man als Zuschauer darüber hinweg, etwas verärgert und irritiert ob des Stilbruchs. Trotzdem ist der Film uneingeschränkt zu empfehlen. Viva el cine argentino!

El Método
Regie: Marcelo Piñeyro
Argentinien/Spanien, 2005.


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