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Ernesto Che Guevara in der Erinnerungskultur Argentiniens – Teil II

Autor:  | März 2019 | Artikel empfehlen

Ernesto Che Guevara zählt zweifelsohne zu den herausragenden Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Viele Menschen aus aller Welt identifizieren sich mit dem Argentinier, um entweder ihren Widerstand gegen das hegemoniale System oder ihre Unzufriedenheit mit dem Status quo zum Ausdruck zu bringen. In Argentinien, dem Heimatsland Guevaras, fällt die Erinnerung an den Revolutionär als alles anderes als eindeutig aus. Zwar war er bereits während des Guerillakampfes gegen die Batista-Diktatur und besonders seit dem Sieg der kubanischen Revolution in den argentinischen Medien präsent, dennoch hat es nach seinem Tode Jahrzehnte gedauert, bis die ersten erinnerungspolitischen Maßnahmen durchgeführt wurden. Selbst jetzt, wo Che zu einer weltberühmten Figur geworden ist, löst er immer noch Meinungsverschiedenheiten aus. QUETZAL stellt hier den zweiten von drei Teilen eines Beitrages vor, der erstmals einen Überblick über die Erinnerungskultur Argentiniens in Bezug auf Ernesto Che Guevara vermittelt.

 

Zu Kultur und Politik der Erinnerung in Rosario

 

Da Rosario, wie bereits erwähnt, die Geburtsstadt Ches ist, verdient sie eine ausführliche Analyse. Auch wenn diese aus Platzgründen hier nicht erfolgen kann, wird jedoch ein Überblick über die Gegenwart Ches in erinnerungspolitischer Hinsicht gegeben. Zum einen soll die Rolle Ches bei der Erinnerungspolitik analysiert werden. Zum anderen soll die Erörterung der wie und an welchen Orten seine Figur auftaucht, bestenfalls dazu beitragen, die vielfältige Erinnerung an Che zu entflechten.

Im Zentrum der Stadt, nämlich in der Entre-Ríos-Str. Ecke Tucumán-Str. steht das Geburtshaus Ches, wo das erste Kind des Ehepaars Guevara-De la Serna die ersten Lebenswochen wohnte. Ebenso wie das bereits erwähnte Haus in der Aráoz-Str. (Buenos Aires) befindet sich dieses Haus in privaten Händen und wurde bisher nicht unter Denkmalschutz gestellt. Obwohl das Haus in Rosario im Gegensatz zum Haus in Buenos Aires immer noch steht, kann es nicht besichtigt werden. Jedenfalls ist diese Straßenecke eine der meistbesuchten bzw. -betrachteten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Wer an dem Haus vorbeikommt, wird ein Schild vorfinden, welches vor dem Schaufenster einer Versicherungsgesellschaft steht und die schlichte Aufschrift „Casa natal Che Guevara“ (dt.: Geburtshaus Che Guevara) trägt. Nur 200m entfernt befindet sich die Plaza de la Cooperación. Diese ist wegen eines Wandgemäldes, welches aus Anlass des 30. Todestages Ches 1997 von dem bekannten Künstler Ricardo Carpani geschaffen wurde dem Großteil der Stadtbevölkerung besser bekannt als Che-Platz. Carpani (1930-1997) war Mitglied der Grupo Espartaco bzw. Movimiento Espartaco, einer künstlerischen Bewegung, die sich von 1959-1968 der sozial engagierten Kunst bzw. der revolutionären Kunst widmete (vgl. Sánchez de Hoyos 2012).

Rosario_Geburtshaus_Che_Bild_Quetzal-Redaktion_solebiasattiEnde 2002 wurde durch einen Erlass der Stadt Rosario1 die erste Abschnitt der Autobahn Rosario-Córdoba (A9) in Ernesto Che Guevara benannt und ein Hinweisschild mit dem Text „Autobahn Ernesto ‘Che’ Guevara 1928-1967 – Hommage der Stadt an den berühmten rosarino, der aufgrund seiner Ideale auf internationaler Ebene anerkannt wird“ aufgestellt. Auch wenn die Autobahn im Alltag einfach als Autobahn Rosario-Córdoba, Autobahn oder Landstraße 9 genannt wird – daher wird an Autobahnen anderer Ländern bloß eine Nummer bzw. eine Buchstabe vergeben –, stellt ihre Benennung den ersten derartigen Fall auf nationaler Ebene dar.

Einige Zeit später, im Jahr 2004, wurde durch einen weiteren Erlass ein „Kultureller Raum und Museum“ an der Plaza de la Cooperación gegründet2. Im Text des Erlasses werden unterschiedliche Gründe erwähnt. Auch wenn es sich nicht behaupten lässt, dass die Bedeutung der Begründungspunkte von den Unterzeichnenden des Erlasses absteigend eingeordnet wurden, soll die Reihenfolge jedoch nicht unterschätzt werden. Der erste Punkt einer langen Liste bezieht sich auf die damals bevorstehende Durchführung des III. Internationalen Kongresses der Spanischen Sprache (CILE)3, welcher für Ende des Jahres 2004 geplant worden war. Da „Präsidenten, Schriftsteller, Beamten und Publikum aus allen spanischsprachigen Ländern [vorgesehen ist], würde ein Ernesto Guevara gewidmeter Raum eine Touristen- und kulturelle Attraktion bei denjenigen, die Rosario aufgrund des Kongresses der Spanischen Sprache, der Natur- und künstlichen Attraktionen [sic.] sowie weil Rosario die Geburtsstadt Ernesto ‘Che’ Guevara ist, in Erinnerung bleiben“4. Anschließend wird begründet, dass von zahlreichen StadtbesucherInnen wiederholt gefordert wird, „die Orte, welche Che, als er in der Stadt lebte, häufig besuchte, und (noch nicht) errichtete Che-Denkmäler [sic.] bzw. beschilderte Erinnerungsorte kennen zu lernen“5. Des Weiteren wird erneut hingewiesen, dass es in Rosario im Gegensatz zu anderen Städten wie Alta Gracia und Ländern wie Kuba und Bolivien noch keine Che-Erinnerungsorte gibt, wobei man sich in Rosario der Bedeutung nicht bewusst ist, die Rosario als Geburtsstadt von Che Guevara inLateinamerika und der ganzen Welt hat6.

Die Auswahl des Ortes, die Plaza de la Cooperación, wird damit begründet, dass dies einerseits eine Maßnahme sei, um zur Sicherheit und Instandhaltung des Platzes beizutragen – sowie zur Beschäftigungsmöglichkeiten. Dieser Punkt stellt eher einen gewagten Versuch dar, um die Unterstützung der Nachbarschaft zu gewinnen – zumal die Ehrung von Che der Sicherheit und Wartung des Ortes sowie der Erwerbstätigkeit untergeordnet wird. Andererseits wird die bereits erwähnte Nähe zum Geburtshaus erwähnt.

Näher betrachtet erscheint das Ganze als ein politisch strategisches Manöver gegenüber der nationalen und internationalen Öffentlichkeit. Erstens war dieser Platz bereits als Che-Platz bekannt – wobei es sich dabei um die offizielle Anerkennung einer Bürgerinitiative handelt. Zweitens war die Durchführung des III. CILE der Hauptgrund für die Schaffung eines Che-Erinnerungsortes an dieser Stelle. Und drittens weist die zeitliche Lücke zwischen der Bekanntgabe der Maßnahme (2004) und ihrer tatsächlichen Durchführung (2011) darauf hin, dass es wohl vorrangig darum ging, den Grundstein für einen offiziellen Erinnerungsort zu legen, als das Projekt tatsächlich zu verwirklichen.Rosario_Che-Denkmal_Bild_Quetzal-Redaktion_solebiasatti

Seit 2008, dem 80. Geburtstag Ches, steht in der Stadt eine Che-Statue7, welche die erste derartige Hommage an Che auf nationaler Ebene ist. Das Projekt wurde auf Eigeninitiative vom Künstler Andrés Zerneri und ohne staatliche Mittel realisiert. Ebenso wie bei Verwirklichung der bereits erwähnten Denkmäler Urfrau und Juana Azurduy, die ebenso von Zerneri konzipiert wurden, stammen die Baumaterialien aus privaten Spenden von Bronze-Objekten. Nach Schätzungen der VeranstalterInnen wurden die notwendigen 3.000 kg Bronze (Schüssel, Armaturen, Ornamente etc.) von ca. 14.500 Personen aus verschiedenen Teilen der Welt gespendet8. Sowohl der unabhängige Charakter der Initiative als auch die breite Beteiligung – selbst die Stadt wurde von den Spendenden bestimmt – verfolgten ein doppeltes Ziel. Laut Zerneri soll zum einen das staatliche Monopol bezüglich der Erinnerungskultur infrage gestellt und zum anderen die Beteiligung der Gemeinde gefördert werden9. Der Teil des Parque Irigoyen, wo das Denkmal aufgestellt wurde, wurde offiziell in „Plaza y Conjunto Escultórico Ernesto Che Guevara“ (dt.: Platz und Skulpturengruppe Ernesto Che Guevara) umbenannt10.Rosario_Che-Denkmal2_Bild_Quetzal-Redaktion_solebiasatti

Im Gegensatz zu anderen berühmten Che-Statuen – Santiago de Chile11, Santa Clara und La Higuera – wurde Che von Zerneri unbewaffnet dargestellt. Diese Entscheidung, die damals bereits Diskussionen auslöste und gewissermaßen an die Entfernung der Zigarette aus der Helmut-Schmidt-Gedenkmünze erinnert12, wurde vom Künstler damit begründet, dass dies eine Maßnahme war, um kommenden Generationen die Ideale Ches gegenüber der Verwendung von Waffen hervorzuheben13. Auch wenn die Diskussion über die Verwendung von Waffen als legitimes Mittel der Politik in der Geschichte Argentiniens auf die Guerilla-Bewegungen bzw. bewaffneten Gruppierungen der 1960-er-1970-er Jahre zurückgeht, muss jedoch berücksichtigt Rosario_Che-Denkmal3_Bild_Quetzal-Redaktion_solebiasattiwerden, dass die Entpolitisierung der letzten Jahrzehnte die Verständigung in der Debatte erschwert. In einer großen Stadt wie Rosario, wo die Kriminalitätsrate derzeit fast doppelt so hoch ist wie im nationalen Durchschnitt14, wird die Verwendung von Waffen daher eher in Verbindung mit politischer Korruption und Drogenhändlern gebracht.

Wie bereits erwähnt, öffnete das 2004 angekündigte Centro de Estudios Latinoamericanos Ernesto Che Guevara (CELChe; dt.: Lateinamerikanisches Forschungszentrum „Ernesto Che Guevara“) erst 2011 für die Öffentlichkeit15. Diese Einrichtung entwickelte die Tour „Las huellas del Che16 (dt.: Spuren Ches), einen Streifzug durch verschiedene Che-Erinnerungsorte der Stadt. Dieser umfasst die Plaza de la Cooperación bzw. der Che-Platz, sein Geburtshaus und zwei Teile des Parque Independencia: Dem Park, in dem zwei Fotografien von Che entstanden: unmittelbar nach seiner Geburt 1928 und während seiner ersten Lateinamerika-Reise 1952. Der Rundgang endet an der Plaza Ernesto Che Guevara, wo die Che-Statue steht.

Des Weiteren wurde Che 2002 post mortem die Anerkennung als berühmter Stadtbürger verliehen17. Einige Jahre später zeichnete der Stadtrat darüber hinaus verschiedene mit Che verbundenen Persönlichkeiten als Ehrengäste der Stadt aus: Ches Mitreisenden Carlos Calica Ferrer Zorrilla (2009)18 sowie Harry Antonio Pombo Villegas Tamayo und Víctor Dreke Cruz (2011)19, zwei der Guerillakämpfer, die neben Che auf Kuba und Bolivien bzw. Afrika kämpften. Außerdem wurde der von Tristán Bauer gedrehte Dokumentarfilm „Che – Un hombre nuevo“, welcher zu dieser Zeit in Rosario uraufgeführt wurde, zum städtischen Interesse“ erklärt (2010)20. Obwohl die Auswahl Rosarios für die Uraufführung eines Films über Che als selbstverständlich erscheinen mag, denn seine Figur wird auf nationaler Ebene mit dieser Stadt identifiziert, so fällt sie doch auf, wenn man die starke Zentralisierung des politischen und kulturellen Lebens Argentiniens in der Hauptstadt berücksichtigt.

2015 wurde die Aula Magna der medizinischen Fakultät (Universidad Nacional de Rosario – UNR) in Doctor Ernesto Guevara benannt21. Auch wenn Che bekanntlich nicht an dieser Universität, sondern in der von Buenos Aires (UBA) studierte und sich Ches Berühmtheit nicht hauptsächlich auf seine Tätigkeit als Arzt stützt, wurde vom Dekan dieser Fakultät, Ricardo Nidd, die Durchführung der Hommage damit begründet, die Benennung der Aula nach Che ziele darauf ab, sein offensichtliches Engagement für die Gesundheit des Volkes zu würdigen22. Aus ähnlichen Gründen erhielt ein öffentliches Gesundheitszentrum in einem Armenviertel am westlichen Stadtrand den Namen Dr. Ernesto Che Guevara23.

Am südlichen Stadtrand befindet sich die „Volksbibliothek Che Guevara“, eine Privatinitiative, welche zweckmäßig im Raum eines ebenso von der Nachbarschaft gegründeten Arbeitslosenzentrums arbeitet. In einem nahe gelegenen Ort besteht das „Volksradio Che Guevara“24, welches aus der Casa de la Memoria25 (dt.: Haus des Erinnerung), einem Nachbarschaftszentrum, sendet. Dies ist ein sehr emblematischer Ort in der Stadtgeschichte, weil hier ein sehbehindertes Ehepaars wohnte, welches 1977 von Mitgliedern der Sicherheitskräfte entführt worden war und seitdem zu der langen Liste von desaparecidos gehört. Das Haus wurde später vom II. Armeekorps enteignet und bis 1994 vom Militär besetzt. Zu diesem Punkt konnte das Eigentum dank der Nachbarschaft zurückgewonnen und für gemeinschaftsspezifische Zwecke genutzt werden.

Rosario_Parque-Independencia_Bild_Quetzal-Redaktion_solebiasattiObwohl die Figur Ches einerseits sowohl bei privaten als auch bei öffentlichen Initiativen eine Rolle spielt und die Verknüpfung Rosarios mit Che dazu führt, dass die Stadt zum Gastgeber unterschiedlicher Veranstaltungen diesbezüglich wird – beispielsweise Ehrungen, Seminare, Ausstellungen, offizielle Besuche –, wird sie andererseits jedoch von bestimmten Sektoren der Bürgerschaft und der Politik abgelehnt: Nahezu alle Maßnahmen und Initiativen wurden von konservativen Gruppierungen heftig kritisiert. Beispiele dafür ist die Aktion, die 2017 durchgeführt wurde, um die Stadtverwaltung dazu aufzufordern, nicht nur ihre Unterstützung für Che-Ehrungen zu beenden, sondern auch die Entfernung bzw. Aufhebung aller bereits durchgeführten Maßnahmen zu verlangen26.

Laut dem Vorsitzenden von Fundación Bases27, einer international vernetzen Stiftung mit Zweigstelle in Rosario, welche diese Petition entwickelte, sei Che „ein Massenmörder, der keine Achtung vor den Menschenrechten hatte“28, und verdiene insofern als Mörder keine offiziellen Ehrungen29, die mit öffentlichen Geldern finanziert werden30. Solche, aus dem Zusammenhang gerissenen Darstellungen Ches als Massenmörder führte bestimmten ultrakonservativen Intellektuellen eben dazu, Denkmäler zur Erinnerung an Menschen, die unter Ches Verantwortung zum Opfer wurden, neben den Che-Mahnmälern zu errichten31. Außerdem sei Che – so Bases – nicht nur ein Massenmörder aufgrund seiner führenden Rolle bei den Hinrichtungen in La Cabaña und während des Guerillakampfes, sondern auch er trage auch Verantwortung für den Guevarismus. Dieser „hinterließ 10.723 Opfer, welche auf Kuba vom Kommunismus getötet wurden; weitere 78.000, die getötet wurden, weil sie von der Insel fliehen wollten; 14.000 im Rahmen von Militärinterventionen im Ausland gefallene Menschen, sowie 5.300 Personen, darunter Bauern und auch Kinder, die dem Escambray-Aufstand zum Opfer fielen“32. Darüber hinaus sei Guevara verantwortlich für „die Verfolgung von Intellektuellen, Homosexuellen und Dissidenten, sowie 1,5 Millionen im Exil lebende Personen, welche zusammen mit der großen Mehrheit KubanerInnen – halb-arbeitslos, im schlechten Gesundheitszustand und zur Prostitution gezwungen, um auf dem Schwarzen Markt die offiziellen Nahrungsmittelrationen auszugleichen – auf Gerechtigkeit warten“. Derartige Behauptungen stützen sich auf unseriös tendenziöse Schriften, welche sich unter Titeln wie beispielsweise „Tötungsmaschine“ (vgl. Márquez 2017) häufen und nach wie vor zum Verkaufserfolg werden und die öffentliche Meinung beeinflussen. Jedenfalls sammelte die Petition der ultraliberalen Stiftung am Ende der Kampagne ca. 22.250 Unterschriften, mehr doppelte so viel wie erforderlich33. Eine andere, auf der gleichen on line-Plattform gestartete Kampagne, die sich für die Erhaltung der Che-Statue einsetzte, erreichte ihrerseits knapp 8.499 Unterschriften34.

Auch wenn die Bases-Kampagne die öffentliche Anerkennung Ches als berühmter Bürger mit einschließt, löste die als allzu oft bzw. großzügige betrachtete Anerkennung an Persönlichkeiten damals Diskussionen sowohl im Stadtrat als auch in den lokalen Medien aus35. Ähnlichen Petitionen hinsichtlich der Entfernung von Ehrungen von Che Guevara bzw. der Umbenennung von nach ihm benannten Straßen wurden ebenfalls von konservativen NGOs mit unterschiedlichem Erfolg u.a. in Ländern wie Ecuador36 und Spanien37 gestartet. Jahre zuvor löste ein weiteres Projekt, eine Allee in Buenos Aires nach Che zu benennen, den Zorn einer ultrakonservativen katholischen Vereinigung aus38.

Doch unabhängig von der historischen Rigorosität und der politischen Instrumentalisierung der Geschichte, die solche Kampagnen zeigen, werden diese in der Regel von NGOs durchgeführt, die sich aus einflussreichen, wirtschaftlichen Akteuren zusammensetzen bzw. Zugang zu den Massenmedien haben; dazu gehört auch die Ausübung von politischem Druck. In diesem Sinne ist es bemerkenswert, dass 2017 das vor Ches Geburtshaus stehende Hinweisschild von der Stadtverwaltung entfernt wurde. Auch wenn damals offiziell behauptet wurde, dass diese Maßnahme „wegen Wartungsarbeiten“ durchzuführen war, dauerten diese trotz der eher winzigen Abmessungen des Schildes mehrere Monate an39 und dies fiel zeitlich mit dem Höhepunkt der Debatte zusammen.

Im Rahmen der offiziellen Ehrungen anlässlich von Ches 90. Geburtstag40 wurden von dem städtischen Verkehrsunternehmen die Busse der Linie Q mit einem Che-Bild gestaltet. Die Maßnahme, welche sowohl die Öffentlichkeit als auch die Politiker spaltete, ging durch alle Medien und fand somit eine weite Verbreitung auf nationaler Ebene41. Ein lokaler Vertreter der konservativen Partei Unión Pro Federal, deren Hauptfigur der aktuelle Präsident Macri ist, nutzte die Gelegenheit, die Stadtverwaltung (PS – Sozialistischer Partei) zu kritisieren. Laut einem Gemeindevorsteher der Unión solle die Stadtregierung vielmehr Persönlichkeiten würdigen, die im Gegensatz zu Guevara die Stadt ehren, und außerdem solle man die öffentlichen Gelder nicht für die Huldigung einer so umstrittenen Figur verschwenden42.

 

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Literatur:

Márquez, Nicolás: La máquina de matar. Biografía definitiva del Che Guevara. Buenos Aires: 2017.

Sánchez de Hoyos, Eduardo B.: Apuntes, fuentes y reflexiones estéticas para el estudio del Movimiento Espartaco (Argentina 1959-1968), in: Laboratorio de Arte 24, 2012, S. 635-665.

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1 https://www.rosario.gob.ar/normativa/verArchivo?tipo=pdf&id=25481

4 Erlass Nr. 7646.

5 op. cit.

6 op. cit.

7 vgl. https://www.spinattic.com/arielm/2363 [Abruf 27.12.2018].

11 Diese Statue, die weltweit das erste derartige Hommage an Che darstellt, wurde von der Diktatur Pinochets zerstört. http://julianlautarof.blogspot.com/2013/09/chile-cuando-la-dictadura-desaparecio.html [Abruf 30.12.2018].


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