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15. Juli | Argentinien: Ein Schritt zur Gerechtigkeit für Bischof Angelelli

Argentinien: Enrique Angelelli - Foto: Public Domain Vorige Woche wurden zwei Angeklagte wegen des Todes von Bischof Enrique Angelelli schuldig gesprochen und zu lebenslanger Haftstrafe verurteilt. Angelelli wurde 1968 in der argentinischen Provinz La Rioja zum Bischof geweiht. Schon damals war La Rioja eine Provinz, in der es eine tiefe Kluft zwischen Arm und Reich gab. Diese sozialen Unterschiede wurden vom Bischof angeprangert, der – wie andere Priester auch – eine andere, neue Katholische Kirche repräsentierte, zu der die Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils 1965 und die Konferenz der Bischöfe Lateinamerikas (CELAM) 1968 in Medellín die Richtung gewiesen hatten. Bereits während seiner ersten Amtsjahre gründete Angelelli die „Agrar- Diözesenbewegung“, deren Hauptziele eine bessere Verteilung sowie eine demokratische, partizipative Verwaltung der produktiven Flächen waren. Die Antwort der lokalen Oligarchie ließ nicht lange auf sich warten: Der Bischof wurde als „Roter“ verunglimpft; viele seiner Mitstreiter/innen wurden verfolgt und fielen Attentaten zum Opfer. Nach dem Putsch 1976 wurde Angelelli unter fragwürdigen Umständen, die die Justiz rasch als „Verkehrsunfall“ deklarierte, umgebracht. Obwohl er seine Vorgesetzen davon in Kenntnis gesetzt hatte, dass er vermutlich bald getötet werden würde, hüllten sie sich in Schweigen. Der Fall von Bischof Angelelli entlarvt die Rolle, die die Führung der Kirche während der Diktatur als moralische Unterstützer der Militärjunta gespielt hat. Nachdem 2004 die so genannten Straflosigkeitsgesetze abgeschafft worden waren, eröffnete die Justiz mit einer Anklage wegen Verbrechens gegen die Menschheit den „Fall Angelelli“ wieder und nannte die Dinge beim Namen. Innerhalb des Verfahrens tauchten einige kirchliche Dokumente auf, was hoffentlich bezeugt, dass die Kirche bezüglich ihres Schweigens während der Diktatur eine neue Haltung einnimmt. Wenn man bedenkt, dass die Justiz 38 Jahre benötigte, um den Mord, den Angelelli selbst voraus gesehen hatte, zu ahnden, dann bedeutet das Strafurteil nur einen ersten Schritt zur Gerechtigkeit. Wenn wir uns vor der von Angelelli geträumten gerechteren Gesellschaft befänden, dann könnten wir von Gerechtichkeit sprechen (Bildquelle: Public Domain).

11. Juli | Brasilien: 100.000 Argentinier für WM-Finale in Rio de Janeiro zu Gast

Brasilien: Maracanã Umbau für die Weltmeisterschaft 2014 - Foto: Governo do Estado do Rio de Janeiro_Für das Finale der Fussball-Weltmeisterschaft 2014 zwischen Deutschland und Argentinein am kommenden Sonntag (13.07.2014) erwartet Rio de Janeiro als Austragungsort ca. 100.000 Besucher aus Argentinien. Zwar haben zahlreiche Argentinier bereits im Vorfeld Karten für das Spiel im legendären Maracanã-Stadium gekauft, eine Vielzahl davon wird aber mit dem Public-Viewing an der Copacabana Vorlieb nehmen müssen. Nichts desto trotz wäre es für viele Argentinier eine Genugtuung im Nachbarland zu gewinnen. Einziger Wehrmutstropfen bei einem solchen Szenario wären geschätze Einnahmen von ca. 100 Millionen US-Dollar, welche die Tourismusbehörde des Bundesstaates für das Wochenende geschätzt hat. Während in Rio de Janeiro in den touristischen Stadtteilen die Hotels bereits zu 100 Prozent ausgelastet sind, gibt es in anderen Stadtteilen noch Übernachtungsmöglichkeiten (Auslastung von 90 Prozent). Nicht erwartet wurden jedoch eine Vielzahl von Wohnmobilen, mit denen die Argentinier anreisen. Nach Aussagen der Tourismusbehörde hat man für diese Art von Fahrzeugen jedoch keinerlei Vorkehrungen getroffen bzw. fehle hierfür generell eine Infrastruktur (wie z.B. Kampingplätze). Somit wird versucht die geschätzten 200 Wohnwagen an verschiedenen Stellen der Stadt zu konzentrieren, so u.a. in Níteroi – ein Vorort von Rio de Janeiro – wo 50 Plätze bereitgestellt werden. (Bildquelle: Governo do Estado do Rio de Janeiro_)

06. Juli | Mexiko: Aztekische Quetzalfederkrone weiterhin in Wien

Mexiko: Immer wieder betonen Mexikaner die große historische Bedeutung der Federkrone für ihr Land und fordern sie von Österreich zurück. (Foto: Quetzal-Redaktion, gt)Ein Dokumentarfilm, der dieser Tage in Mexiko-Stadt uraufgeführt wurde, brachte ein altes Streitobjekt wieder in Erinnerung: den Federschmuck von Moctezuma. Der prachtvolle penacho, bestehend aus 400 Quetzalfedern und mehr als 1.500 Metallplättchen (aus Gold Silber und Kupfer), fand sich im Nachlass von Erzherzog Ferdinand II. von Tirol (1529-1595) und wird bis heute im Weltmuseum Wien ausgestellt. Ob er wirklich einst Moctezuma II. gehörte, der am 30 Juni 1520 von den spanischen Konquistadoren ermordet wurde, ist umstritten. Doch immer wieder betonen Mexikaner die große historische Bedeutung der Federkrone für ihr Land und fordern sie zurück. Die mexikanische Regierung hat ihre 1991 erstmals erhobene Bitte um Rückgabe im Jahr 2011 zwar unterstrichen, bemüht sich aber um eine enge Zusammenarbeit mit den Österreichern in dieser Frage. So wurde der Kopfschmuck von 2010-2012 gemeinsam von mexikanischen und österreichischen Experten aufwändig restauriert. Von mexikanischer Seite hofft man, das kostbare Stück zumindest leihweise einmal zu Hause zeigen zu können. Aber auch das könnte sich als schwierig erweisen, denn ein Gutachten der TU Wien bescheinigt dem penacho, nicht transportfähig zu sein. (Bildquelle: Quetzal-Redaktion, gt)

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Dossier: 40 Jahre Putsch in Chile


Novedades

Pinochet und die Mapuche
Autor: und:
Kategorie(n): 40 Jahre Putsch in Chile, Chile, Ethnien & Kulturen, Gewalt & Menschenrechte, Landwirtschaft & Agrarreform

Chile: Widerstand der Mapuche - Foto: Miquel Garcia Während der Pinochet-Diktatur wurden viele ChilenInnen Opfer der brutalen Repression des Regimes. Auch die Mapuche bekamen das harte Vorgehen der Junta zu spüren. Das lag unter anderem daran, dass viele von ihnen vor dem Staatsstreich 1973 Teil der „Bewegung hin zum Sozialismus“ waren. Denn zahlreiche indigene Organisationen beteiligten sich aktiv an der sozialen und politischen Mobilisierung und unterstützten die Unidad Popular unter dem 1970 zum Präsidenten gewählten Salvador Allende. Der Grund dafür war, dass viele Mapuche zu diesem Zeitpunkt endlich die Möglichkeit gekommen sahen…

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Matthes, Sebastian: Eine quantitative Analyse des Extraktivismus in Lateinamerika
Autor:
Kategorie(n): Gelesen, Intraregionale Beziehungen, Ressourcen & Umwelt, Wirtschaft & Entwicklung

Gelesen: Sebastian Matthes: Extraktivismus in Lateinamerika - Foto: BuchcoverExtraktivismus ist eines der Modeworte in der Debatte zur lateinamerikanischen Entwicklungsstrategie. In den letzten Jahren erschienen zahlreiche Publikationen zu diesem Thema [1] (auch bei QUETZAL zum Beispiel in Venezuela, Kolumbien, Peru und Bolivien). Der Begriff wird inzwischen beinahe inflationär verwendet und mit Präfixen wie Neo- oder Post- versehen. Gerade im Zuge des globalen Rohstoffbooms ab 2005 erfährt die unter dem Begriff des Extraktivismus zusammenlaufende Kritik an der Rohstoffausbeutung und dem damit verbundenen Entwicklungspfad eine neue Blüte. Im Fokus stehen dabei die „neuen progressiven“ Regierungen in …

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Guatemala, 27. Juni 1954: Staatsstreich gegen Arbenz
Autor:
Kategorie(n): Guatemala, Militär & Sicherheit, Politik & Recht

Guatemala: Landwirtschaft mit Kaffeeanbau - Foto: Andreas BouekeVor 60 Jahren – am 27. Juni 1954 – erklärte Jacobo Arbenz, der demokratisch gewählte Präsident Guatemalas, seinen Rücktritt. Die Umstände und Konsequenzen dieses historischen Ereignisses machen es zu einem politischen Lehrstück, das heute noch unsere Aufmerksamkeit verdient. Juan Jacobo Arbenz Guzmán wurde am 14. September 1913 in Quetzaltenango (Xelajú), der zweitgrößten Stadt Guatemalas, geboren. Sein Vater, Hans Jakob Arbenz, war als junger Mann aus der Schweiz in das zentralamerikanische Land eingewandert, hatte dort Octavia Guzmán Caballeros, die aus einer angesehenen lokalen Familie stammte, geheiratet und eine eigene Apotheke betrieben. Der junge Jacobo trat 1932 in die Escuela Politécnica ein, um die …

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Das Mädchen: Was geschah mit Elisabeth K.?
Autor:
Kategorie(n): Argentinien, Gesehen, Gewalt & Menschenrechte, Militär & Sicherheit

Gesehen:  Das Mädchen - SnapshotAls ich erfuhr, dass ein Dokumentarfilm über die Militärdiktatur im deutschen Fernsehen kommen sollte, war ich zunächst vorsichtig. Da ich die Sendung verpasst hatte, sah ich mir den Trailer an und war daraufhin gespannt. Als ich dann einige Tage später den Film endlich anschauen konnte, muss ich gestehen: Ich bin begeistert! Das Mädchen ist Elisabeth Käsemann, eine junge deutsche Soziologin aus Tübingen, die glaubte, dass man dort sein sollte, wo anderen Menschen Hilfe brauchen. Während der europäischen Studentenbewegung am Ende der sechziger Jahre war die Befreiung Lateinamerikas ein Ziel vieler engagierter Menschen. In diesem Zusammenhang entscheidet sich die junge Elisabeth …

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Kleine Schritte zum Frieden
Autor:
Kolumbien ist seit Jahrzehnten von einem Krieg gezeichnet, der in erster Linie die Zivilbevölkerung schwer in Mitleidenschaft gezogen hat. In den 60er Jahren traten linksgerichtete Rebellengruppen an, um die Regierung und die alt eingesessenen Eliten bewaffnet herauszufordern. Die FARC (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia) und die ELN (Ejercito de la Liberación …
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Yasuní, Naturschutz, illegitime Schulden
Autor:
Ecuador, das kleine Land in Südamerika, hat mit drei revolutionären Ansätzen unter der Regierung von Rafael Correa seit 2007 weltweit für höchstes Aufsehen gesorgt. Die erste Initiative, die Unterlassung der Ölförderung im Yasuní-Nationalpark gegen entsprechende internationale Entschädigung, ist inzwischen gescheitert. Damit gerät aber auch die zweite Revolution immer …
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