lateinamerika - Quetzal - Politik und Kultur in Lateinamerika


Noticias

04. Juni | Lateinamerika: Haushaltsangestellte: Die Schwächsten sind am härtsten betroffen

ILO-Flagge_Bild_wiki_CCDie Haushaltsangestellten in Lateinamerika sind meist weiblich, schlecht bezahlt, weitgehend rechtlos und in der Öffentlichkeit kaum sichtbar. So stellte sich die Situation jener 18 Millionen Menschen dar, die dort laut Internationaler Arbeitsorganisation (ILO) bereits vor Ausbruch der Covid-Pandemie im Haushalt von Besserverdienenden und Reichen ihre Arbeitskraft verkauft haben. Aus verschiedenen Gründen stehen sie nunmehr am Abgrund. Die meisten haben inzwischen ihre Arbeit verloren und kämpfen nun ohne Verdienst um ihr Überleben. Dort, wo sie noch als billige Arbeitskräfte „geduldet“ werden, fristen sie fast das Dasein von Sklavinnen. Wenn sie dann noch an der Pandemie erkranken, bleiben sie meist schutzlos ihrem Schicksal überlassen. In Mexiko hat nur ein Prozent der 2,3 Millionen Haushaltsangestellten eine Sozialversicherung. Von 700.000 Frauen, die in Kolumbien in diesem „Dienstleistungssektor“ beschäftigt sind, haben nach Angaben der Escuela Nacional Sindical inzwischen 90 Prozent ihre Arbeit verloren. In Zentralamerika, wo die Situation besonders kritisch ist, haben lediglich Costa Rica und Nicaragua die ILO-Konvention Nr. 189 von 2011, in der die Rechte der Haushaltsangestellten geregelt sind, ratifiziert. In Honduras sind schätzungsweise 139.000 Frauen als Hausangestellte tätig. Die meisten von ihnen verdienen weniger als 150 US-Dollar monatlich. Eda Luz, die Direktorin des Red de Trabajadoras Domésticas de Honduras, verwies darauf, dass laut dortigem Arbeitsrecht die Arbeitszeit von Hausangestellten 14 Stunden täglich beträgt und ihnen weder während der Woche freie Tage noch ein Jahresurlaub zustehen. Lauf einer Meinungsumfrage, die Mitte April 2020 in Brasilien unter Personen durchgeführt wurde, die Hausangestellte für sich arbeiten lassen, erklärten 39 Prozent, dass sie diese weiterhin beschäftigen und auch bezahlen. Dieselbe Anzahl von Befragten gab an, dass sie ihre Hausangestellten ohne weitere Bezahlung entlassen haben. Der Rest teilte mit, dass die Haushälterinnen zu Hause bleiben würden. Je länger die Pandemie anhält, desto dramatischer werden gerade die Ärmsten leiden müssen. Entscheidend wird sein, wie lange sie sich in ihr vermeintliches Schicksal fügen werden (Bildquelle: wiki_CC).

02. Juni | Ecuador: Wohin mit den COVID 19-Toten?

Ecuador_COVID-19_Bild_wiki_CCBerechnet man die Corona-Toten pro eine Million Einwohner, steht Ecuador an der Spitze der lateinamerikanischen Statistik. Weltweit liegt es auf Platz 17. Das Land hat in etwa genauso viele Todesfälle wie Genesene. In Deutschland beträgt dieses Verhältnis 1 zu 20. Das gibt zu denken. Theoretisch könnte das daran liegen, dass in Ecuador einfach weniger getestet wird. Aber getestet wird hier (pro eine Million Einwohner), nach Peru, innerhalb Lateinamerikas sogar am meisten. Und die Tatsache, dass, wenn die Toten arm waren, sie in der Regel zu Hause starben und somit keinen Eingang in die Statistik fanden, würde bedeuten, dass es eher noch mehr Tote sind als angegeben, aber auch mehr Infizierte natürlich, was einander wieder ausgleichen würde. Auch so kann diese besondere Relation zwischen Infizierten zu Toten also nicht erklärt werden. Liegt das an einem selbst für lateinamerikanische Verhältnisse besonders schlechten Gesundheitssystem? Es soll vollkommen kollabiert sein, heißt es. Horrornachrichten gibt es auch über die Bergung und Beerdigung der Toten: Hier sterben die Menschen direkt auf der Straße. Ihre Leichen bleiben liegen. Oder sie verbleiben in den Häusern, über mehrere Tage, weil sie nicht abgeholt werden. Auf den Straßen allenthalben Leichensäcke, keine Gräber für die Toten, in Guayaquil, dem diesbezüglichen Hotspot, stünden Container voller Leichen. Grund dafür sei u.a. die Ausgangssperre, die Abtransporte verhindert habe. Kranke verschwänden aus Krankenhäusern, für tot Erklärte seien noch am Leben … . Ein Chaos. Präsident Moreno hat daher den Ausnahmezustand verkündet. Die erste COVID-19-Patientin, die am 14. Februar einreiste, soll eine Ecuadorianerin aus Spanien gewesen sein. Auch sie, die 71Jährige, ist mittlerweile verstorben. Man habe zwar die Flüge aus dem Iran, China und Italien abgesagt, aber eben nicht die aus Spanien oder den USA. Dazu muss man wissen, dass Ecuador das Land Lateinamerikas mit der größten community in Spanien ist. Die Isolation von Guayaquil als Epizentrum der Pandemie und auch die von Quito sei nicht diszipliniert genug umgesetzt worden. 76 % der Infizierten kommen allein aus Guayaquil. Mehr als die Hälfte der Infizierten ist unter 49 Jahre alt. COVID-19 trete außerdem zusammen mit dem grassierenden Dengue-Fieber auf. Auf die gestiegenen Kosten reagierte Präsident Moreno mit der Schließung von Botschaften, der Außerdienststellung von Diplomaten, der Kürzung der Gehälter von anderen Staatsbediensteten. Es steht die Annahme eines Gesetzes bevor, auf dessen Grundlage die generelle Arbeitszeit, aber eben auch die Löhne um etwa die Hälfte gekürzt werden sollen. Massendemonstrationen sind die Antwort darauf, in denen die indígenas aber gefehlt haben sollen. Dabei sind sie es doch, die über den Bergbau bzw. den Ölsektor in ihren Territorien besonders betroffen wurden (Bildquelle: wiki_CC).

26. Mai | Chile: Corona-Pandemie verschlimmert die Lage im ohnehin schon kriselnden Land

COVID-19 Fälle in Chile, Stand: 25. Mai 2020 - Foto: NaveenNkadalaveniIm südlichen Andenland spitzt sich die Corona-Krise seit ein paar Wochen zu. Nachdem Anfang März die ersten Fälle in Chile festgestellt worden waren, stiegen nun die Fallzahlen stark an. Täglich infizieren sich nun rund 4.000 Menschen. Bisher wurden insgesamt knapp 78.000 Fälle nachgewiesen und es starben bereits 806 Infizierte. Am schlimmsten betroffen ist die Hauptstadtregion, wo knapp 80% der Fälle zu verzeichnen sind. Das sogenannte Gran Santiago, also fast die komplette Región Metropolitana, steht unter einer strikten Ausgangssperre. Anstatt eine Ausbreitung vorzubeugen, agierte Chiles Regierung meist erst reaktiv, dann waren die Maßnahmen jedoch weitreichend: Neben dem Durchsetzen drastischer Restriktionen wurden die Testkapazitäten sowie die Zahl der Betten auf den Intensivstationen ausgeweitet. Alle COVID-19-PatientInnen werden sowohl auf Privatkliniken als auch öffentliche Krankenhäuser verteilt unabhängig ihrer Krankenversicherung und alle Tests und Behandlungen werden vom Staat übernommen. Zudem werden Infizierte oder Verdachtsfälle isoliert, auch in eigens dafür angemieteten Hotels. Da insbesondere die ärmeren Bevölkerungsschichten in teils sehr prekären Unterkünften leben und in einigen Stadtviertel Santiagos eine extrem hohe Bevölkerungsdichte besteht, breitet sich das Virus dennoch stark aus. So sind einige Krankenhäuser in der Hauptstadt bereits überlastet. Hinzu kommt, dass es in Chile kaum Kündigungsschutz gibt und ein Drittel aller ArbeitnehmerInnen informell beschäftigt sind. Daher geraten viele Menschen zurzeit in Armut oder setzen sich über die Restriktionen der Regierung hinweg, um weiterhin ein Einkommen zu haben. Zwar verteilt der Staat Subventionen und Essenspakete an die ärmeren Bevölkerungsschichten. Es ist jedoch stark anzuzweifeln, dass diese ausreichen um die Not der Menschen effizient abzuwehren. Die Wirtschaftshilfen dienen zumeist den großen Unternehmen. So legt die Corona-Krise die substantiellen Probleme im Land offen und verschlimmert sie noch: Die ohnehin prekäre sozio-ökonomische Lage vieler ChilenInnen hat sich gravierend verschlechtert und die extreme soziale Ungleichheit nimmt in der Krise noch zu. Die lahmende Wirtschaft kommt teilweise zum Erliegen und der politischen Führung, welche bereits vor der Krise kaum noch das Vertrauen der Bevölkerung genoss, wird die Kompetenz immens angezweifelt. Auf diese Weise durchlebt Chile zurzeit nicht nur eine Gesundheitskrise, sondern auch eine soziale, wirtschaftliche und politische. Die landesweiten Proteste, welche im Oktober 2019 begannen und zwischenzeitlich abebbten, sind keineswegs vorbei. Die kommenden Wochen und Monate werden zeigen, ob es der Regierung unter Sebastián Piñera gelingen wird, die multiple Krise zu meistern. Sollte sich die Lage jedoch weiterhin verschlechtern, sind eine neuerliche Protestwelle und eine weitere Instabilisierung des Landes zu erwarten (Bildquelle: NaveenNkadalaveni).

» » mehr Noticias « «



Ernesto Che Guevara – Das QUETZAL-Dossier (Oktober 2017 – Juni 2018)


Novedades

Bioy Casares, Adolfo: Morels Erfindung
Autor:
Kategorie(n): Argentinien, Kunst & Kultur, Literatur, Wiedergelesen

Wiedergelesen_Bioy-Casares_Morels Erfindung_CoverScan

Genau vor 80 Jahren wurde vom argentinischen Schriftsteller Adolfo Bioy Casares (Buenos Aires 1914) das Buch La invención de Morel (dt.: Morels Erfindung) veröffentlicht. Die Biografie des Autors ist inzwischen bekannt: Der aus gutem Hause stammend Bioy Casares begann zunächst ein Jura und Literaturstudium an der Universität Buenos Aires. Nachdem er es unterbrach, konnte er sich nun …

Zum Artikel

Der Okima aus Bilina – Miloslav Stingl und die „Indianer ohne Tomahawks“
Autor:
Kategorie(n): Ethnien & Kulturen, Geschichte & Archäologie, Präkolumbische Zeit, Wiedergelesen

Stingl_Indianer_ohne_Tomahawks_Buchtitel

Dieser Beitrag erinnert an Miloslav Stingl, einen tschechischen Ethnologen und Archäologen, der vom Stamm der Kikapu, der im US-Bundestaat Oklahoma lebt, zum Häuptling (Okima) gekürt worden war. Stingl, der damals an der Akademie der Wissenschaften arbeitete und die Nachricht über seine neue „Funktion“ am ersten April 1971 erhielt, vermutete dahinter zunächst …

Zum Artikel

Der Mord an Roque Dalton oder wie (m)ein blaues Einhorn verloren ging
Autor:
Kategorie(n): El Salvador, Gesellschaft & Soziales, Literatur, Politik & Recht

Dalton_1969_wiki_Gemeinfrei

Vor 85 Jahren, am 14. Mai 1935, kam der salvadorianische Schriftsteller Roque Dalton García zur Welt. Vor 45 Jahren, am 10. Mai 1975, nur wenige Tage vor seinem 40. Geburtstag, wurde er getötet. Es war Mord. Von Che Guevara wissen wir, dass er vom Feind in der Gestalt eines bolivianischen Feldwebels …

Zum Artikel

Zur Erinnerung an Luis Sepúlveda – Von Menschen und Tieren und dem Leben, wie es ist
Autor:
Kategorie(n): Chile, Film, Gelesen, Kunst & Kultur, Literatur

gelesen_Sepulveda_Zorbas_fischerverlag

Am 16. April 2020 starb der chilenische Schriftsteller und Journalist Luis Sepúlveda an den Folgen einer COVID-19-Infektion. Zur Erinnerung an ihn entschied sich QUETZAL, eines seiner Bücher in die Rubrik „wiedergelesen“ aufzunehmen. Man ehrt einen Schriftsteller schließlich am besten, indem man ihn liest. Aus diesem Grund sollen …

Zum Artikel

Ein Huhn für 22 Familien: Der Hunger peinigt das letzte Nomadenvolk Kolumbiens
Autor:
Die indigenen Nukak-Makú aus Guaviare durchleben eine Hungersnot. Obgleich der Verfassungsgerichtshof sich zu ihren Gunsten ausgesprochen hat, wird nichts von den geplanten Schutzmaßnahmen in die Tat umgesetzt. Im Bezirk Agua Bonita, zwanzig Minuten entfernt von der Hauptstadt der amazonischen Guaviare-Region …
Zum Artikel
Sieben Gründe, sich erneut mit Mariátegui zu befassen
Autor:
José Carlos Mariátegui wurde am 14. Juni 1894 im peruanischen Moquegua geboren. Nach einem schweren Unfall 1902 war er vier Jahre lang bettlägerig. In dieser Zeit war Lesen seine Hauptbeschäftigung. Danach schlug er sich als Botenjunge, Journalist und Autor durch. Im Januar 1920 ging er …
Zum Artikel
» » weiter zu den letzten Beiträgen

top