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04. August | Argentinien: Eine sinnvolle Hommage an Ástor Piazzolla

Noticias_Argentinien_CLAP-FlyerMit Blick auf den hundertsten Geburtstag von Ástor Pantaleón Piazzolla (1921-1992) wurde vom Universitätsinstitut für Kunst, Instituto Universitario Patagónico de las Artes (IUPA), in der argentinischen Stadt General Roca (Provinz Río Negro) der Lehrstuhl Cátedra Libre Ástor Piazzolla (CLAP) gegründet, um das Werk Piazzollas zu lehren. Aufgrund der offenen Anmeldung können sich sowohl Musikstudierende als auch Berufsmusiker sowie Amateure aus der ganzen Welt bewerben. Für die Einschreibung, deren Frist kommenden Sonntag, den 9. August, endet, soll die Interpretation zweier Werke des argentinischen Bandoneonspielers, Arrangeurs und Komponisten aufgenommen und elektronisch an catedrapiazzolla@iupa.edu.ar geschickt werden. Der Unterricht, welcher online und gebührenfrei stattfinden wird, beginnt am kommenden 24. August. CLAP umfasst zwei Seminare: „Technische Merkmale des Werkes Piazzollas“ und „Das Schlagzeug beim modernen Tango“, für die es jeweils ein Maximum von 36 Plätzen gibt. Während das erste Seminar vom Pianisten, Arrangeur und Komponisten Nicolás Guerschberg durchgeführt wird und die Musikinstrumente Bandoneon, Klavier, E-Gitarre, Bass und Bassgitarre, Schlagzeug, Flöte, Trompete, Posaune, Saxophon, Bassklarinette, Fagott, Oboe, Geige, Bratsche, Violoncello, Vibraphon und Percussion sowie Gesang umfasst, widmet sich das zweite unter der Leitung von Daniel Pipi Piazzolla dem Einsatz des Schlagzeug beim Tango – was selbst bei Ástor Piazzollas Musik unüblich ist. CLAP ist nicht nur eine Hommage an Ástor, sondern stellt auch ein ungewöhnliches Angebot dar, als kostenfreies und offenes akademisches Bestreben, sich ausschließlich der minuziösen Analyse Piazzollas Musik zu widmen. Und das nicht zuletzt aufgrund des Standortes, an dem dieses Vorhaben konzipiert wurde: die über 1100 km von der übermächtigen Hauptstadt Buenos Aires entfernte kleine Provinzstadt General Roca. Glückwunsch! (Bild: IUPA_Press).

29. Juli | Bolivien: Märsche und Einkapselungen gegen die Krise

noticia_Bolivien_Corona_Ministerio_de_Salud_de_BoliviaDie Zahl der an Covid-19 Erkrankten steigt immer stärker, selbst das Staatsoberhaupt ist infiziert, das Gesundheitssystem droht zusammenzubrechen, Menschen sterben auf der Straße. Die Polizei sammelte in den letzten Tagen mehr als 200 Leichen ein, von denen vier Fünftel mit Corona infiziert waren. Es ist wie ein Déja-vu; doch ist hier nicht von Ecuador die Rede und auch nicht von Brasilien, sondern von Bolivien. Als hätte der Andenstaat nicht genug Probleme ist in den letzten Wochen ein rasanter Anstieg der Infektionen mit dem Corona-Virus zu verzeichnen. Dabei schien das Land zunächst alles richtig gemacht zu haben. Bereits wenige Tage nach der Bestätigung des ersten Erkrankten am 10. März wurden die Grenzen des Landes geschlossen, Beziehungen zwischen den Departements auf den wirtschaftlichen Austausch beschränkt. Am 22. März erließ die Interimsregierung per Dekret eine Quarantäne mit strenger Ausgangssperre; die zunächst für zwei Wochen geplante Maßnahme wurde mehrmals verlängert. Im Mai wagte man dann regional erste Lockerungen, im Landesmaßstab waren die Fallzahlen moderat, stärker betroffen waren lediglich die Tieflanddepartements, insbesondere Santa Cruz. Doch Anfang Mai nahm die Pandemie an Fahrt auf. Die Fallzahlen haben sich bis heute mehr als verzehnfacht, woran auch die Einschränkungen für die Feiern zum Neujahrsfest der Aymara nichts änderten. Mittlerweile greift man zu einer Maßnahme, die bisher wohl nur den Chinesen als Maßnahme gegen Corona zugetraut wurde – den Einkapselungen (encapsulamientos). Immer wieder werden ganze Ortschaften für mehrere Tage von der Außenwelt abgeriegelt, die Häuser dürfen nicht verlassen werden und lediglich Krankenwagen, Polizei und Militär dürfen sich in der Öffentlichkeit bewegen. Während des encapsulamiento ziehen Gesundheitsbrigaden von Haus zu Haus, um Kranke zu identifizieren. Zuletzt traf es Oruro, das ab letztem Freitag für vier Tage „eingekapselt“ war. Bolivien mit seinen gut elf Millionen Einwohnern zählt inzwischen mehr als 71.000 bestätigte Covid-19-Fälle und 2.647 Todesfälle. Allein gestern registrierte man 1.752 Neuerkrankungen. Der Schwerpunkt der Pandemie verlagert sich immer mehr vom Osten in den Westen des Landes, den stärksten Anstieg der Fälle gibt es in La Paz und Cochabamba. Die angespannte politische Lage nach dem Sturz von Evo Morales und der Einsetzung einer Interimsregierung macht die Bekämpfung der Pandemie nicht einfacher, da die politischen Lager sich gegenseitig blockieren. Die Interimsregierung versucht nach wie vor, den MAS auszugrenzen und zu kriminalisieren. Einem für gestern geplanten Treffen zwischen MAS und Minister Yerko Núñez blieben die beiden MAS-Vertreter fern, nachdem sie von Núñez‘ Präsidentschaftsministerium als Verschwörer bezeichnet worden waren. Die Gewerkschaftszentrale (COB) rief dieser Tage zu einer Mobilisierung gegen den für Oktober geplanten Wahltermin auf; die ersten Märsche gab es heute in El Alto. Der MAS verweigert indes die Zustimmung zu internationalen Krediten, weil die Regierung keine genauen Angaben über deren geplante Verwendung liefert. Nach dem Korruptionsskandal im Zusammenhang mit dem Kauf von spanischen Beatmungsgeräten scheint das verständlich, doch ohne Kredite wird das Land die Krise kaum meistern können, deren Höhepunkt übrigens erst Ende August/Anfang September erwartet wird. Derweil registriert man im Land einen Run auf Medikamente, sofern diese noch erschwinglich sind. Ein absoluter Bestseller ist übrigens Chlordioxid, das von Wunderheilern als wirksames Mittel gegen Covid-19 angeboten wird (Bild: https://www.minsalud.gob.bo).

21. Juli | Paraguay: Das andere COVID 19-Wunder

Paraguay_FlaggeDrei COVID 19-Wunder – Nicaragua, Cuba und Uruguay – kennen wir schon in Lateinamerika. Paraguay ist mit 3.629 der Gesamtfälle (19.07.2020) das lateinamerikanische Land auf der Liste mit den viertwenigsten Infizierten. Bei den Corona-Toten pro eine Million Einwohner rangiert es an letzter Stelle im Lateinamerika-Ranking, ist hier also sogar am günstigsten aufgestellt: Es hat nur 12. Für die anderen von Corona wenig betroffenen Länder hatten wir gute Erklärungen parat: Cuba hat ein bemerkenswertes Gesundheits- und Sozialsystem, Uruguay verfügt darüber hinaus noch über geringe Armutszahlen und ein gut ausgebautes demokratisches Staatswesen, und für Nicaragua … kann einfach die Zählweise bezweifelt werden. Aber Paraguay, das hat doch nichts davon! Stimmt. Das Land gibt in der Region zudem am wenigsten für Soziales aus und hat ein besonders schlechtes Gesundheitssystem. Hier muss es also anders funktionieren! Aber wie? Zunächst weiß das Land vorteilhafte Bedingungen zu vermelden, die sonst nur schwerlich als positiv einzuschätzen sind: Es ist isoliert, eine „von Land umgebene Insel“ (Roa Bastos), was internationale Flüge und Tourismus betrifft. Mit China pflegt es keine diplomatischen Beziehungen, sondern nur mit Taiwan. Es zählt auch verhältnismäßig wenige Einwohner, von denen eine Minderheit in den Städten lebt. Und es hat eine schnelle, wirksame und konsistente Anti-Corona-Politik betrieben und diese auch erfolgreich kommuniziert: Es war am 7. März 2020 eines der ersten Länder, die eine Quarantäne deklariert haben. Am 20. März herrschte bereits ein vollständiger Lockdown – bis zum 3. Mai. Mundschutz, physische Distanz, obligatorisches Fiebermessen, Händewaschen und Schuhreinigen vor den Läden werden bis heute nicht in Frage gestellt. Für aus Corona-gefährdeten Gebieten, insbesondere aus Brasilien Einreisende gibt es „Gesundheitshotels“, in denen diese nach ihrer Einreise 14 Tage bleiben müssen. So weit, so gut. Und der Pferdefuß? Es sind Füße, nicht nur ein Fuß: Zur Absicherung wird in Paraguay auch eine ihre Rechte missbrauchende Polizei eingesetzt. Die Grenze ist in Schlüsselabschnitten militarisiert. Es werden verfassungsmäßige Rechte verletzt, mithin ohne das System der Checks and Balances einzuhalten. Der Gesundheitsnotstand beruht auf einem Gesundheitsgesetz, das in den diktatorischen 1980er Jahren unter dem berüchtigten Stroessner-Regime verabschiedet worden war. Überhaupt, so heißt es, sei eine aus Stroessner-Zeiten überkommene Angst vor Strafe ein Motiv zur strikten Befolgung der Gesundheitsmaßnahmen. Autoritarismus als beste Grundlage für Epidemie-Bekämpfung? Aber auch Uruguays Ergebnisse sind gut, und dieses Land hat eine bestens funktionierende Demokratie! Also im Zweifel doch lieber Uruguay! Oder wirkt auch hier eher erinnerter Autoritarismus als Demokratie, so wie in Paraguay? Schwer vorstellbar. Ach, und nicht zu vergessen, die Corona-Kurven in Paraguay steigen, sogar exponentiell, und bei der der Zahl der Corona-Tests pro eine Million Einwohner steht das Land recht schlecht da – es gehört nur zur zweiten Hälfte der Länder Lateinamerikas. Auch hier ist Uruguay das erfolgreichere Beispiel. Erst die Zukunft wird wohl diesen – natürlich imaginären – Wettbewerb entscheiden (Bild_cc_wiki).

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Ernesto Che Guevara – Das QUETZAL-Dossier (Oktober 2017 – Juni 2018)


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