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25. Februar | Argentinien: Holocaust Museum in Buenos Aires wiedereröffnet

Argentinien_HolocaustMuseum_Bild_CC_wiki_Ginés90Vergangene Woche öffnete das Museo del Holocausto Buenos Aires, das als eines der besten seiner Art gilt, wieder seine Pforten. Das kürzlich sanierte Museum, welches 2000 eingeweiht worden war, beherbergt auf drei Etagen nicht nur zahlreiche Exponate und Berichte von Überlebenden, die im argentinischen Exil ihr Leben neu beginnen durften, sondern auch eine spezialisierte Bibliothek und ein Archiv. Die neue Dauerausstellung zeigt in einer modernen Präsentation die Judenverfolgung während der NS-Zeit und des Zweiten Weltkriegs in Europa sowie ihre Auswirkungen in Argentinien. Das südamerikanische Land war einerseits einer der wichtigsten Exilorte für verfolgte Juden, nicht nur nach Hitlers Machtergreifung, sondern bereits während der Pogrome im zaristischen Russland. Andererseits nahm Argentinien – Ironie des Schicksals und nicht zuletzt der doppeldeutigen politischen Handlung des damaligen Präsident Juan Domingo Perón – auch mehrere Kriegsverbrecher auf, die nach der Zerschlagung Nazideutschlands flüchteten, u.a. Josef Mengele, Erich Priebke und Adolf Eichmann. Buenos Aires berief sich in den 1930er Jahren darauf, den wichtigsten NSDAP-Sitz außerhalb des Dritten Reiches zu haben. Auch damit bestärkte Argentinien schon damals seine ausgeprägte Leidenschaft für Superlative. Es ist zu hoffen, dass das Land seinem Stil in diesem Sinne nicht ganz treu blieb. (Bild: CC_wiki_Ginés90).

18. Februar | El Salvador: Demokratie? Egal! Der „coolste Präsident der Welt“ wollte das Geld!

Noticias_El Salvador_Bukele_Bild_wiki_CCAm 9. Februar 2020 traute man in San Salvador seinen Augen kaum: Ein etwa halbes Hundert schwerbewaffneter Armeeangehöriger und Polizisten mit Schusswesten besetzte den halbleeren Plenarsaal des salvadorianischen Parlaments. Wenig später marschierte auch der Präsident El Salvadors Nayib Bukele in den Saal, um dortselbst den Sitz des Parlamentspräsidenten einzunehmen, der seinerseits nicht anwesend war. Bukele verkündete mit klarer Stimme: „Nun ist es wohl klar, wer die Situation kontrolliert!“ In El Salvador hatte wieder einmal die Exekutive, gar militärisch, die Legislative „besiegt“. Demokratie und Gewaltenteilung? Egal! Nach seinem einzigen Satz schloss der Präsident für ein paar Minuten die Augen und verließ dann den Saal wieder, gefolgt von seinen bewaffneten Begleitern. Das Fernsehen übertrug live. Draußen wurde Bukele von etwa 5000 Anhängern, darunter vor allem Mitglieder seiner Partei Nuevas Ideas und Regierungsangestellte, empfangen, denen er eröffnete, im Saal habe Gott zu ihm gesprochen und ihn doch noch um Geduld gebeten. Wie schön, Gott hatte ihn noch einmal vor einem „Selbstputsch“ bewahrt! Aber für wie lange? Denn im gleichen Atemzug kündigte Bukele vor den Menschenmassen an: Wenn das Parlament nicht innerhalb einer Woche seiner Intention entspräche, würde er es nunmehr durch einen „Aufstand“ auflösen. In dieser Rede soll Bukele dann Gott sogar 25 Mal angerufen haben. Für deren Ende wählte er den Satz der Linken: „El pueblo unido jamás será vencido!“ Was war zuvor passiert? Am 5. Februar hatte das Parlament dem Präsidenten die Erfüllung seines Wunsches nach einem Kredit von 109 Millionen $ versagt, die dieser für die Finanzierung der Phase 3 seines Planes Control Territorial beanspruchte. Bukele hätte dafür der Stimmen entweder der Partei ARENA oder der FMLN bedurft, die sie ihm allerdings nicht gaben. Wieder einmal rächte sich, dass er sich im Parlament auf keine signifikante eigene Partei stützen kann. Am 9. Februar waren dann bis zu der von Bukele anberaumten Uhrzeit nicht genügend Abgeordnete für eine Außerordentliche Parlamentssitzung erschienen. Der Präsident reagierte mit o.g. Szenario. Bis zum heutigen Tag (18.02.2020) hat das Parlament seine Forderung nicht erfüllt. Was wird nun passieren? Zu Recht bezeichnen salvadorianische Kolumnisten Bukeles Akt vom 9. Februar, der im Übrigen auch bei der politischen Rechten und der Unternehmerschaft Kritik fand, als die schlimmste Krise der Demokratie seit Unterzeichnung des Friedensabkommens. Denkt man diese Krise, mithin die autoritäre Attitüde Bukeles, mit der Tatsache zusammen, dass dieser als der populärste Präsident seit 1992 in El Salvador gilt (noch im Januar 2020 gaben ihm 91 Prozent in einer Umfrage von CID GALLUP ihre Unterstützung), schwant einem nichts Gutes. Bukele dünkt sich zudem als coolster Präsident, sogar der Welt. Nun ja, es ist da wohl mindestens noch einer auf dem Kontinent, der das von sich meinen dürfte. Aber selbst dessen Botschafter in El Salvador hat in einem Tweet lakonisch Respekt vor der drei Gewalten und Verhandlungen gefordert. (Bild: wiki_CC).

12. Februar | Lateinamerika: Fettleibigkeit ist auch in Lateinamerika ein Problem

noticia_Übergewicht_Bild_Weltbank_CreativeCommonsUnter dem Titel „Obesity“ veröffentlichte die Weltbank am 6. Februar einen Bericht zu den wirtschaftlichen und gesundheitlichen Folgen von Fettleibigkeit. Für Lateinamerika sind die veröffentlichten Ergebnisse durchaus alarmierend. 60 Prozent der erwachsenen Lateinamerikaner werden als fettleibig eingestuft. Darüber hinaus ist auf dem Kontinent eine zunehmende Häufigkeit von Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen zu verzeichnen, und die Wachstumsrate steigt. Bereits jetzt leiden fast 40 Prozent der Kinder an starkem Übergewicht und mehr als Prozent bringen mehr auf die Waage als ihr Idealgewicht. Von den lateinamerikanischen Ländern sind Mexiko und Chile am stärksten, Nicaragua, Paraguay und Haiti am wenigsten betroffen. In Mexiko sind durch Fettleibigkeit verursachte Krankheiten bereits die häufigste Todesursache. Die Autoren des Berichtes benennen neben genetischer Veranlagung eine Reihe von verhaltensbedingten Ursachen für diese Entwicklung: frühkindliche Ernährung, Veränderung der Ernährungsgewohnheiten (hoher Konsum zuckerhaltiger und verarbeiteter Lebensmittel), zu wenig Bewegung. Um der „Zeitbombe Fettleibigkeit“ Herr zu werden, fordern die Autoren die Regierungen auf, Programme aufzulegen, die eine gesunde Lebensweise ermöglichen. Das schließt Bildung und Information über gesunde Ernährung ebenso ein wie eine verbesserte urbane Infrastruktur. In Mexiko, Kolumbien, Peru und Chile wurden zuckerhaltige Softdrinks mit einer Extrasteuer belegt. Das kann aber nur ein Anfang sein, auch wenn für Mexiko bereits erste Wirkungen der Steuer nachweisbar sind. (Bild: Weltbank_CC).

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Ernesto Che Guevara – Das QUETZAL-Dossier (Oktober 2017 – Juni 2018)


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Die Schlagzeilen klingen schon einmal gut; egal, ob sie aus bundesdeutschen oder mexikanischen Medien stammen. Und wenn man sich die entsprechenden Texte näher ansieht, verstärkt sich dieser Eindruck noch. Mexikanische Pflegekräfte kommen nach Deutschland und helfen, den Pflegenotstand hierzulande zu lindern. Das hilft der Bundesrepublik. Auf der anderen Seite gibt es in Mexiko zu viele Pflegekräfte …

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