lateinamerika - Quetzal - Politik und Kultur in Lateinamerika


Noticias

31. März | Nicaragua: Corona und der magische Realismus

Nicaragua_CC_wikiGoogelt man Mexiko mit Corona, findet man schon lange nicht mehr an erster Stelle die beliebte süffige Flüssigkeit. Bei Nicaragua ist das anders: Hier sind es noch immer die dicken Rauchstäbchen, die uns aus dem Internet grüßen. Richtig, auch in Lateinamerika haben viele Länder viele Corona-Infizierte und wenige wenige. Es ist schon eine Crux mit den Statistiken: Wer nicht misst oder testet, hat natürlich auch keine oder kaum Fälle. Immer dieses Misstrauen! Warum kann es nicht sein, dass es in Nicaragua einfach nichts zu testen gibt, weil keiner oder kaum einer krank ist? Nun ja, um das zu wissen, müsste man erst einmal … testen. Kurzum, wir wissen es nicht. Nach Belize sei es Nicaragua, das in Lateinamerika am wenigsten von COVID-19 betroffen ist oder solches zumindest vorgibt. Dabei sind seine zentralamerikanischen Nachbarn keinesfalls frei von höheren Zahlen: Für Honduras werden (am 31.03.) 141 und für Costa Rica 330 Infizierte angegeben. Die für „hochkonsistente Daten“ bekannte Johns-Hopkins-Universität, die, ob direkt oder indirekt, ihre Quellen aber auch nur in den betreffenden Ländern selbst haben kann, nennt nun schon dreizehn Tage lang nur vier Betroffene für Nicaragua. In dreizehn (!) Tagen ist in diesem Land nichts weiter an Ansteckung passiert? Was ist denn hier mit der exponentiellen Kurve? O.k., am Anfang ist sie ja immer flach. Am 18. März wurde in Nicaragua vom ersten Corona-Fall berichtet. Doch ein Schelm, der Böses dabei denkt: Präsident Ortega zeigt sich – aus welchem Grunde eigentlich, wo doch nichts gefährlich ist? – schon seit dem 21. Februar nicht mehr in der Öffentlichkeit. Vogel Strauß lässt grüßen. Er lässt wieder einmal seine Frau, Rosario Murillo, die Vizepräsidentin, sprechen. Ihre offiziellen Zahlen seien „tadellos transparent“. Fragen von Journalisten werden nicht zugelassen. Nach den Worten der Ehefrau brauche Nicaragua weder Ausnahmezustand noch Quarantäne, weder soziale Distanz noch Grenzschließung. Stattdessen ruft Frau Murillo zum Marsch der Bürger unter der Losung auf „Amor en los tiempos de COVID-19“. Nun ja, die Liebe verlangt halt nach Nähe und nicht nach sozialer Distanz. Ein wirklich magischer Realismus! Oder, wie Wikipedia sagt: Die Grenze zum Surrealismus ist fließend. (Bildquelle: CC_wiki).

25. März | Lateinamerika: In Erwartung der Katastrophe – Corona in Lateinamerika

noticia_mexico_covid-19_foto_mctic.gov.brCovid-19 kam am 26 Februar in Lateinamerika an: an diesem Tag meldete Brasilien den ersten Erkrankten in der Region. Die neuesten Zahlen der bestätigten Erkrankungen reichen von 1.900 in Brasilien über 416 in Peru bis zu 1 in Nicaragua. Damit ist Lateinamerika nach wie vor verhältnismäßig wenig von der Pandemie betroffen, doch die Länder bereiten sich auf Schlimmeres vor und ergreifen bereits zu diesem frühen Zeitpunkt drastische Maßnahmen wie nächtliche Ausgangssperren, die Schließung öffentlicher Einrichtungen oder Ein- und Ausreiseverbote. De facto haben sich die Länder gegeneinander abgeschottet. Zwar beschlossen die Regierungen der am Forum für den Fortschritt Südamerikas (Prosur) beteiligten Länder vor wenigen Tagen ein gemeinsames Vorgehen im Kampf gegen das Virus, doch fällt es ihnen schon im nationalen Rahmen schwer, entsprechende Maßnahmen durchzusetzen, da ihr Rückhalt in der Bevölkerung meist nicht groß ist. In Brasilien führt ein die Krise leugnender Präsident politische Auseinandersetzungen mit den Gouverneuren der am stärksten von der Pandemie betroffenen Regionen des Landes statt sie zu unterstützen. In Kolumbien starben bei einem Gefängnisaufstand vor zwei Tagen 23 Menschen und 90 weitere wurden verletzt. Aus Peru wird von mehreren Hundert Verhafteten berichtet, weil die nationale Quarantäne nicht eingehalten wird. Neben dem Fehlen staatlicher Autorität erschweren schlechte Gesundheitssysteme ein wirksames Vorgehen gegen das Virus. Zudem treffen Ausgangssperren die Bevölkerung in vielen Ländern der Region weit stärker als in Europa oder auch in China. Allein in Mexiko arbeiten knapp 60 Prozent im informellen Sektor, ihnen würde so jeglicher Lebensunterhalt entzogen. Experten rechnen deshalb mit einer wirtschaftlichen und sozialen Katastrophe, falls die Pandemie die gleiche Stärke erreicht wie in Europa und China. Die gegenseitige Abschottung der wirtschaftlich miteinander verflochtenen Länder dürfte diese Krise noch verschärfen (Bildquelle: mctic.gov.br).

19. März | Kolumbien: Katastrophenszenario im Amazonas

Noticias_Kolumbien_Bild_Quetzal-Redaktion_gcDas Flammenmeer, was bereits im vergangenen Jahr große Teile des Amazonas verschlungen hatte, ist immer noch nicht ausgelöscht. Am 17. März fiel das Nukak-Reservat der Feuersbrunst zum Opfer. Die indigene Bevölkerung in diesem Gebiet zählt offiziell zu den Gruppen im „Erstkontakt“. Ihr Leben ist bedroht durch massives Waldsterben, das einhergeht mit dem Landgrabbing durch Siedler, Kokabauern und neuerdings auch Großgrundbesitzer. Das betroffene Departamento Guaviare macht zwanzig Prozent der entwaldeten Fläche des kolumbianischen Amazonas aus. Kriminelle Gruppen bauen im niedergebrannten Wald Routen für den Drogenhandel aus, oder betreiben illegalen Bergbau und Viehhaltung. Zwanzig Brände gleichzeitig vernichteten 628 verschiedene Pflanzenarten und damit auch Lebensräume von Tigern, Jaguaren, Pumas, zehn Affenarten, vierzehn Papageien- und vier Tukanarten und 158 Ameisentype (Bild_Quetzal-Redaktion_gc).

» » mehr Noticias « «



Ernesto Che Guevara – Das QUETZAL-Dossier (Oktober 2017 – Juni 2018)


Novedades

Espero tua (re)volta – Ein Film von Eliza Capai über die Schüler- und Studentenbewegung in São Paulo
Autor:
Kategorie(n): Film, Gesehen, Gesellschaft & Soziales

rezensiert_espero_tua_(re)volta_Demo_snapshot

Das Wichtigste gleich zu Beginn: Sehen Sie sich diesen Film an. Espero tua (re)volta ist kurzweilig und informativ, der Film macht Hoffnung und gleichzeitig auch unglaublich wütend. Die Regisseurin und Autorin Eliza Capai lässt drei junge Paulistanos ihre Geschichte erzählen, oder …

Zum Artikel

Was macht der chinesische Drache in Uncle Sam’s Hinterhof?*
Autor:
Kategorie(n): Globale Beziehungen, Globalisierung & Regionalisierung, Handel & Finanzen, Interamerikanische Beziehungen, Wirtschaft & Entwicklung

US_Flagge_Bild_Quetzal-Redaktion_gc

Die Beziehungen Chinas zu Lateinamerika haben erst während der letzten dreißig Jahre an Kontur und Gewicht gewonnen. In dieser historisch kurzen Zeit ist die Volksrepublik zum zweitwichtigsten Handelspartner der Region aufgestiegen und hat damit die EU auf den dritten Platz …

Zum Artikel

Die Mütter der Erde – Indigene Frauen in Peru und ihr Einsatz für eine nachhaltige Ernährung
Autor:
Kategorie(n): Ethnien & Kulturen, Film, Gepflanzt, Gesehen, Kunst & Kultur, Peru, Ressourcen & Umwelt

Mütter_der_Erde_Quinoaernte_snapshot

Was geschieht, wenn wir aufhören Mais anzubauen? Hören wir dann auf zu existieren?“ Mit dieser Frage sind Inhalt und Diktion dieses Films von Álvaro und Diego Sarmiento gut zusammengefasst. Was passiert eigentlich, wenn der Klimawandel sich fortsetzt, der die Andenregion schon lange erreicht hat: Die Gletscher gehen zurück, es regnet zu wenig …

Zum Artikel

Detonante, der Nährboden für gute Ideen, wird seit diesem Mittwoch weiter gepflegt
Autor:
Kategorie(n): Kolumbien, Ressourcen & Umwelt

Detonante_Foto_Galo  Naranjo_CC

Entrepreneure stehen im Mittelpunkt des heutigen Programms ab acht Uhr dreißig in Concepta Colsubsidio, Bogotá. Dem gestrigen Aufruf, Ideen in konkrete Taten umzusetzen, soll nun nachgekommen werden. Aus alten Windeln, Toilettenpapier, Essensresten, Plastikmüll und alldem, was gemeinhin nicht recycelt wird, entstehen Stühle, Stifthalter, Tuben, Werkzeugkästen, Baumaterial, Tabletts …

Zum Artikel

Schwestern für Deutschland – Bundesrepublik wirbt mexikanisches Pflegepersonal an
Autor:
Die Schlagzeilen klingen schon einmal gut; egal, ob sie aus bundesdeutschen oder mexikanischen Medien stammen. Und wenn man sich die entsprechenden Texte näher ansieht, verstärkt sich dieser Eindruck noch. Mexikanische Pflegekräfte kommen nach Deutschland und helfen, den Pflegenotstand hierzulande zu lindern. Das hilft der Bundesrepublik. Auf der anderen Seite gibt es in Mexiko zu viele Pflegekräfte …
Zum Artikel
Dialogando – Drei Erzählungen
Autor:
Había sólo dos sitios en el mundo donde te podían ayudar: En una clínica de cirugía plástica o en el quiosco de restauraciones de don Lucho Avellano, ex maestro mayor de construcciones civiles (preferiblemente de casas de tres pisos sin terraza – porque le marean las alturas-) y miembro fundador de la “Hermandad de la Plomada y el Bailejo”. …
Zum Artikel
» » weiter zu den letzten Beiträgen

top