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29. Juni | Ecuador: Verhandlungen zwischen Regierung und indigenen Organisationen nach einem Tag abgebrochen

Noticias_Ecuador_Bild_Quetzal-Redaktion_gcVorgestern, am Tag 15 der von indigenen Organisationen ausgerufenen landesweiten Streiks, trafen sich Vertreter dreier indigener Organisation – CONAIE (Konföderation der indigenen Nationalitäten Ecuadors), FEINE (Rat der evangelischen indigenen Völker und Organisationen Ecuadors) und FENOCIN (Konföderation der Bauern-, Indigenen- und Schwarzenorganisationen) mit Regierungsvertretern zu ersten Verhandlungen, um eine Vereinbarung zur Beendigung des Streiks zu schließen. Die Proteste, ausgelöst von den Preissteigerungen, vor allem für Treibstoff, finden ihren Ausdruck in Demonstrationen und Straßenblockaden, die Teile des Landes zeitweise lahm legen. Menschenrechtsvertreter sprechen von einem Gewaltmissbrauch der Regierung im Zusammenhang mit den Protesten vor; fünf Streikende wurden bisher getötet und mehr als 100 verletzt. Die CONAIE legte einen Katalog mit zehn Forderungen vor und kündigte an, den Ausstand so lange weiterzuführen, bis die Regierung die Forderungen erfüllt. Diese verlangen u.a. eine Senkung der Spritpreise, ein Schuldenmoratorium, und ein Moratorium der Ausweitung des Bergbaus sowie die Verbesserung von Gesundheitsversorgung und Bildung für die indigene Bevölkerung. Die gestrigen Gespräche konzentrierten sich schlussendlich auf zwei wichtige Punkte: die Senkung der Kraftstoffpreise und die Aufgabe der Dekrete 95 und 151. Diese Dekrete ziele die Kritikern zufolge letztlich auf die Erleichterung der Konzessionsvergabe für die Erdölförderung und den Bergbau ab und bevorzugen in hohem Maße die Unternehmen. Die Regierung hatte gestern Abend vorgeschlagen, das Dekret 95 aufzuheben und Nr. 151 zu modifizieren. Letzteres wurde von den Vertretern der Indigenen abgelehnt. Doch einigte man sich darauf, die Gespräche heute fortzusetzen. Dazu kam es dann nicht mehr; die VertreterInnen der Indigenen erschienen am Verhandlungsort, nicht aber die der Regierung. Am Morgen hatte es in Shushufindi im Nordosten des Landes einen Angriff von mit Schrotgewehren und Speeren bewaffneten Dorfbewohnern auf einen von Militärs geleiteten Treibstoffkonvoi gegeben, bei dem ein Soldat starb und zehn verletzt wurden. Präsident Lasso erklärte die Beendigung der Gespräche und betonte, er werde sich nicht wieder mit Leonidas Iza, Präsident von CONAIE, an einen Tisch setzen. Dieser forderte seinerseits eine unabhängige Untersuchung der Vorfälle in Shushufindi und die Fortsetzung der Gespräche. Virgilio Saquicela, Präsident der Nationalversammlung, teilte mit, die Nationalversammlung werde heute den Tod des Soldaten im Amazonasgebiet untersuchen und er sei zuversichtlich, dass die Verhandlungen wieder aufgenommen werden, wenn möglich noch heute Abend. (Bilquelle: Quetzal-Redaktion_gc)

21. Juni | Mexiko/Kolumbien: Im Nachlass von Gabriel García Márquez weitere Briefe entdeckt

Gabriel_Garcia_Marquez_Bild_wiki_cc„Passend“ zum 40jährigen Jubiläum der Verleihung des Literatur-Nobelpreises an ihren Vater bzw. Großvater, haben Gabriel García Márquez‘ Nachkommen 150 bislang unbekannte Briefe an ihren berühmten Vorfahren gefunden. Sie befanden sich in einer Plastikschachtel in einem Schrank, in dem lediglich Fotos vermutet wurden. Dabei war man doch davon überzeugt gewesen, dass sich der Nachlass des berühmten Vaters und Großvaters – längst und in Gänze – im Harry Ranson Center der Universität Texas in Austin befindet. Die neu entdeckten Briefe stammen aus der Zeit zwischen 1972 und 2013. Seit dem 16. Juni 2022 (und noch bis August des Jahres) werden sie nun nicht mehr nur im letzten Wohnhaus von Gabo, heute Casa de la Literatura Gabriel García Márquez, ausgestellt, sondern auch im Museo de Arte Moderno der mexikanischen Hauptstadt. Die Absender der Briefe an den Schriftsteller sind illuster: Pablo Neruda war einer der ersten. Zur Verleihung des Nobelpreises gratulierten ihm dann Bill und Hillary Clinton, der Schauspieler Robert Redford, die mexikanischen Expräsidenten Ernesto Zedillo und Enrique Peña Nieto, der Schriftsteller Carlos Fuentes, Ex-UN-Generalsekretär Kofi Annan wie auch Ex-Premier Israels Simon Peres. Besonders vertraut klingen die Beziehungen zwischen Absender und Adressat in den Briefen von Fidel Castro (1987) oder Subcomandante Marcos aus den Bergen in Chiapas (1994): Ersterer bittet Gabo um einen Prolog für sein Interview mit dem italienischen Journalisten Gianni Miná, letzterer um dessen Besuch bei den Zapatisten, beide mit sehr viel Respekt für mögliche Zeitprobleme des Schriftstellers. Nachdem dann, 1999, bei García Márquez Lymphdrüsenkrebs festgestellt wurde, boten insbesondere ihm Filmregisseur Woody Allen und der Photograph Richard Avedón jegliche Unterstützung an. Anders als der Hauptheld eines seiner ersten Romane, dem 1957 erschienenen „Der Oberst hat niemand, der ihm schreibt“, hatte Gabo also stets und bis zuletzt jemanden, der ihm schrieb. Gewiss, dieser Vergleich hinkt ein wenig, denn nur der Oberst aus dem Buch wartete ja auf einen ganz bestimmten Brief – den mit seinem Pensionsbescheid. (Bildquelle: wiki_cc)

14. Juni | Lateinamerika: Nach dem Amerika-Gipfel

Noticias_Lateinamerika_Bild_Quetzal-Redaktion_gcAm 10. Juni wurde in Los Angeles der IX. Amerika-Gipfel mit der Unterzeichnung einer Deklaration zum Thema Migration beendet. Das Treffen bot bereits im Vorfeld ein Bild der Zerrissenheit. So wurde der Ausschluss von Kuba, Nicaragua und Venezuela, der auf Druck der USA erfolgt war, von zahlreichen Vertretern lateinamerikanischer und karibischer Staaten hart kritisiert. 23 von 31 Staaten wurden durch ihre Staats- und Regierungschefs vertreten, die übrigen – darunter Mexiko, Bolivien und Honduras – hatten lediglich ihre Außenminister oder die Inhaber anderer Ressorts entsandt. Auch die Erklärung zur Migration, die US-Präsident Joe Biden wegen der bevorstehenden Zwischenwahlen zum Kongress besonders am Herzen lag, wurde nur von 20 Staaten unterzeichnet. Neben Bolivien hatten zehn karibische Länder, darunter Guyana, Surinam und die Dominikanische Republik, die Unterschrift verweigert. Besonders makaber mutet der Umstand an, dass ein großer Teil der Migranten aus den drei ausgeschlossenen Länder kommt. Während im Falle Venezuelas von einer Zahl von ca. sechs Millionen ausgegangen wird, entfallen allein mehr als 1,7 Millionen auf Kuba und ca. 700.000 auf Nicaragua (Stand von 2020). Von den mehr als 58 Millionen Migranten, die 2020 in den Nordamerika (USA und Kanada) lebten, kamen etwa 25 Millionen aus Lateinamerika und Karibik, was etwa 43 Prozent der migrantischen Bevölkerung entspricht. Davon kommen etwa 10,9 Millionen aus Mexiko, 4,5 Millionen aus Zentralamerika und etwa 6 Millionen aus der Karibik . Nach Angaben vom April diesen Jahres versuchen täglich 7.500 Menschen, die US-Grenze illegal zu überqueren, wobei neben den bereits genannten drei Ländern vor allem Flüchtlinge aus dem nördlichen Dreieck Zentralamerikas (Honduras, Guatemala und El Salvador) und Haiti ins Gewicht fallen. Auf dem Weg von Südamerika und der Karibik in die USA bildet der Darién, das unwegsame Grenzgebiet zwischen Kolumbien und Panama, die einzige Landverbindung. Allein im Zeitraum von Januar bis September 2021 durchquerten mehr als 91.000 Flüchtlinge illegal die gefährliche Landenge, davon etwa 62 Prozent aus Haiti. Dort hatten bis 2020 insgesamt 1,8 Millionen Menschen ihr Heimatland verlassen. Im medialen Rückblick wird der Amerika-Gipfel mehrheitlich als schwere Schlappe für Joe Biden und als Zeichen des schwindenden Einflusses der USA in der Region gewertet. (Bildquelle: Quetzal-Redaktion_gc)

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