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19. Januar | Zentralamerika: Flucht der Verzweifelten

Noticias_Zentralamerika_Grenze_USA-Mexiko_Bild_marc-cat_CCEnde letzter Woche hat sich in San Pedro Sula (Honduras) erneut eine Karawane von mehr als 9.000 Menschen auf den Weg gemacht, um der Not im eigenen Land zu entfliehen. Diese hat sich im letzten Jahr durch die dramatischen Folgen der Covid-19-Pandemie weiter verschärft. Hinzu kommen die massiven Schäden, die die Wirbelstürme Eta und Iota in Nicaragua, El Salvador, Honduras, Guatemala und Belize im vergangenen November verursacht haben. Durch das Wüten der Naturgewalten wurden 38 Menschen getötet. UNICEF geht von mehr als als 640.000 Betroffenen aus, denen vor allem sauberes Wasser fehlt. CEPAL schätzt den materiellen Schaden allein für Honduras auf 1,879 Milliarden US-Dollar. Die erste „Karawane der Verzweifelten“ war im Oktober 2018 in der Hoffnung gestartet, die USA zu erreichen. Seitdem folgten etwa ein Dutzend weitere, wobei nur wenige derjenigen, die sich auf den 3.000 bis 4.500 km langen Weg gemacht hatten, am Ziel ihrer Wünsche ankamen. Auch diesmal übernahmen die Regierungen Guatemala und Mexikos wieder die Rolle eines Türstehers Washingtons. Allein in Guatemala wurden 16 Kontrollposten errichtet, um den Marsch aufzuhalten. Nach massiven Polizeieinsatz haben inzwischen etwa 5.000 aufgegeben. Den übrigen 4.000 Menschen ist es gelungen, die Absperrungen zu durchbrechen. Sie alle treibt die Hoffnung an, dass der neue US-Präsident John Biden die restriktive Migrationspolitik seines Vorgängers Donald Trump ändern würde. Mark Morgan, Chef der US-Zoll- und Grenzbehörde, hat jedoch derartige Erwartungen bereits letzte Woche eine Abfuhr erteilt. Angesichts der sich verschlechternden Existenzbedingungen in Zentralamerika darf man annehmen, dass weitere Karawanen von Verzweifelten folgen werden, auch wenn die USA ihre Südgrenze gegenüber Hilfesuchenden weiterhin geschlossen hält (Bildquelle: marc-cat_CC).

12. Januar | Lateinamerika: Die Milliardäre des Subkontinents 2020

Noticias_Lateinamerika_Carlos_Slim_Helú_Bildquelle_wiki_CCBekanntermaßen listet FORBES jährlich die Reichsten dieser Welt. Der Blick darauf, ob auch Lateinamerikaner darunter sind, ist eher ungewöhnlich, aber spannend. Nein, der auf Platz 1 stehende Amazon-Gründer Jeff Bezos ist US- und kein Lateinamerikaner, auch wenn sein Vater Exil-Kubaner war. Und er selbst wurde in New Mexico und nicht in Mexiko geboren. Doch immerhin finden sich auf der Liste von 2020 tatsächlich 74 lateinamerikanische Milliardäre, allerdings 28 weniger als noch 2019. Allein Brasilien hat 45 und stellt damit fast die Hälfte des lateinamerikanischen Vermögens. Doch der reichste Lateinamerikaner ist ein Mexikaner: Carlos Slim Helu (Bild) mit rund 52 Milliarden US-Dollar. Er nimmt als erster Lateinamerikaner Platz 12 auf der FORBES-Liste ein (fiel aber gegenüber 2019 um sieben Plätze zurück) und steht sogar weit vor den ersten Deutschen (Beate Heister/Karl Albrecht jr.), die auf Rang 23 eingekommen sind. Slim hält mehrheitlich die Akten von América Móvil, dem größten Telekommunikationsunternehmen Lateinamerikas, besitzt 17 % der New York Times und ist auch im Bergbau und in Immobilien unterwegs. Rang 39 belegt Joseph Safra aus Brasilien, der reichste Banker der Welt, und Besitzer von 50 % der Bananenplantagen Chiquita Brands International. Der nächste Lateinamerikaner findet sich mit Ricardo Salinas Pliego/Familie erst auf Platz 106. Die Chilenin Iris Fontobona/Familie (Rang 124) ist Lateinamerikas reichste Frau. Sie kontrolliert mit Antofagasta PLC Chiles Kupferbergbau. Unter den ersten 1.000 Milliardären weltweit ist kein Zentralamerikaner, sondern vor allem (11) Brasilianer, (7) Mexikaner und (3) Chilenen. Bei Brasilien und Mexiko (weniger bei Chile) korrespondieren diese Daten sowohl mit der Höhe des Bruttoinlandproduktes als auch mit der des Gini-Koeffizienten, der die ökonomische Ungleichheit misst (Bildquelle: wiki_CC).

05. Januar | Argentinien: Gesetz zur Entkriminalisierung der Abtreibung verabschiedet

Argentinien_Entkriminalisiserung der Abtreibung_Bild_Quetzal-Redaktion_ayemEinen Tag vor Jahresende verabschiedete der argentinische Senat das Gesetz zum freiwilligen Schwangerschaftsabbruch (Interrupción Voluntaria del Embarazo – IVE). Damit wurde ein Wahlkampfversprechen des Präsidenten Alberto Fernández erfüllt und der Kriminalisierung der Abtreibung schließlich ein Ende gesetzt. Die Abstimmung fand nach einer langen Debatte statt, die sich nicht auf die Gesetzgebungsebene beschränkte, sondern auch die Öffentlichkeit spaltete. Nach Erlangung einer ersten Zustimmung am vergangenen 11. Dezember in der Abgeordnetenkammer (131 Ja-, 117 Nein-Stimmen sowie 6 Enthaltungen) wurde das Gesetz nun mit 38 Ja-Stimmen und 29 Nein-Stimmen sowie einer Enthaltung vom Senat verabschiedet; vier Abgeordnete waren nicht anwesend, darunter der ehemalige Präsident und IVE-Gegner Carlos Menem. Die IVE gewährleistet, dass Frauen eine Schwangerschaft in den ersten vierzehn Wochen risiko- und kostenfrei abbrechen dürfen. Die Regelung berechtigt Ärzte zu einer Gewissensenthaltung, sieht aber ausdrücklich vor, dass die Patientin in diesem Fall rechtzeitig an einen anderen Arzt überwiesen werden soll. Die Verabschiedung der IVE, von großen Teilen der Gesellschaft gefeiert und als „historisch“ betrachtet, wurde von den katholischen und evangelischen Kirchen sowie von ultrakonservativen Gruppierungen kritisiert. Wenngleich Papst Franziskus keine offizielle Erklärung zu dem Gesetz abgab, postete er in den Vortagen auf seinem Twitter-Account u.a., dass „der Sohn Gottes ausgeschlossen geboren [wurde], um uns zu sagen, dass jeder ausgeschlossene Mensch ein Kind Gottes ist“, womit er seine nach wie vor ablehnende Haltung in dieser Frage äußerte. Argentinien positioniert sich mit dem Gesetz zum freiwilligen Schwangerschaftsabbruch gemeinsam mit anderen lateinamerikanischen Ländern wie Uruguay, Kuba, Guyana, Französisch-Guayana, Puerto Rico und zwei mexikanischen Bundesstaaten. Im Gegensatz dazu wird die Abtreibung in anderen Ländern wie z.B. El Salvador, Nikaragua, Honduras, Haiti und der Dominikanischen Republik ausnahmslos als Verbrechen betrachtet – und dementsprechend werden abtreibende Frauen immer noch kriminalisiert (Bildquelle: Quetzal-Redaktion_ayem).

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Ernesto Che Guevara – Das QUETZAL-Dossier (Oktober 2017 – Juni 2018)


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