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02. Juli | Argentinien: Ehemaliger Präsident Carlos Menem wird 90 Jahre alt

Menem_Konvertibilität_Bild_Quetzal-Redaktion_solebiasattiHeute vollendet der ehemalige Präsident Carlos Saúl Menem sein neunzigstes Lebensjahr. Menem begann seine Laufbahn als Politiker 1973, als er zum Gouverneur seiner Heimatprovinz La Rioja gewählt wurde. Auch wenn Menem zunächst eher fortschrittliche Maßnahmen ergriff, unterstützte er nach dem Tod von Präsident Juan Domingo Perón 1974 den konservativen Flügel der Partido Justicialista (PJ) – was jedoch nicht ausreichte, um die Zustimmung der Putschisten 1976 zu bekommen. Nach der Rückkehr zur Demokratie 1983 wurde er erneut zum Gouverneur gewählt. Mithilfe einer antiimperialistischen Rhetorik und nicht zuletzt der Vereinnahmung der Figur des Ángel Vicente Chacho Peñaloza (1798-1863), der aus seiner Provinz stammte und eine der wichtigsten Figuren der Montonero-Bewegung im Kampf gegen den Zentralismus von Buenos Aires war, erhielt er bei den Präsidentschaftswahlen 1989 die Stimmen nicht nur der am stärksten benachteiligten Schichten und linksorientierten Sektoren, sondern auch der Oligarchie. Bereits in den ersten Monaten seiner Amtszeit begann seine Regierung mit der Einleitung neoliberaler Maßnahmen. Die schonungslose Umsetzung von Verordnungen auf Grundlage des Washington-Konsensus – sogenannte „fleischliche Beziehungen“ mit den USA – wurde damals vom Weltwährungsfonds als vorbildlich gelobt. Dazu zählt das „Gesetz zur Staatsreform“, welches die Privatisierung und Auflösung staatseigener Unternehmen regelte und die von der Junta begonnene Demontage des Industriestaates fortsetzte. Demzufolge wurden unter dem Motto „den Staat zu verschlanken, um die Heimat zu vergrößern“ strategische Unternehmen u.a. der Energie- und Kommunikationsbranche, Rüstungsbetriebe, Trinkwasser- und Stromversorgung sowie Verkehrsmittel im Einvernehmen mit den anderen Mehrheitsparteien verschleudert. Die Änderung der Verfassung ermöglichte es Menem, 1995 wieder zu kandidieren und bis 1999 an der Macht zu halten. Deshalb und u.a. aufgrund der Auswirkungen der Konvertibilität, der Verdreifachung der Auslandsschulden, der Abhängigkeit der Judikative von der Exekutive und unzählbarer Fälle von Korruption unter der gesamten politischen Führungsschicht zählt Menems marionettenhafte Amtszeit (1989-1999) zu den katastrophalsten der politischen Geschichte des Landes. Dennoch agierte er zwischen 2001 und 2003 als Vorsitzender der Mehrheitspartei PJ und ist seit 2005 Senator seiner Provinz. Derzeit gehört er zum regierenden Bündnis Frente de Todos. (Bild: Quetzal-Redaktion_solebiasatti).

23. Juni | Deutschland/USA/Kolumbien: Carlos Lehder – not welcome!

Noticias_Lehder_Bild_CC_wikiSeit dem 16. Juni 2020 sind wir in Deutschland einer mehr. Carlos Lehder Rivas, neben Escobar, Gacha und den Ochoas einer der großen Drogenbosse des Medellín-Kartells, ist an diesem Tag in Frankfurt/Main gelandet, als freier Mann. Alles ging mit rechten Dingen, ja rechtsstaatlich zu: Durch seinen deutschen Vater ist Lehder deutscher Staatsbürger, und er hat seine Strafe im US-amerikanischen Strafvollzug abgesessen. Das ihm 1988, nach seiner Auslieferung in die USA, auferlegte Strafmaß betrug „lebenslang + 135 Jahre Haft“. Da er jedoch als Kronzeuge gegen Panamas Ex-Präsidenten und Drogenhändler Manuel Noriega ausgesagt hatte, wurde er in ein Zeugenschutzprogramm aufgenommen, und ihm wurde die Haftstrafe reduziert, auf 55 Jahre, so hieß es damals. Auf keinen Fall sollte er länger im Strafvollzug sitzen als Noriega. Das kam anders. Am Ende belief sich Lehders tatsächliches Strafmaß auf 30 Jahre. In der Bundesrepublik ist ein solch‘ hohes Strafmaß nicht möglich. Für Lehder mag noch das alte, weichere US-Strafrecht gegolten haben, nach dem es üblich war, nur einen Teil der Gefängnisstrafe absitzen zu müssen. Lehder wurde als Sohn einer kolumbianischen Schönheitskönigin und eines deutschen Ingenieurs geboren. Seine Drogenkarriere begann er als capo des Kartells von Pereira/Armenia. Seine größten Geschäfte – er soll die USA mit fast vier Tonnen (!) Kokain beliefert haben – wickelte er von der nicht weit von Florida entfernten Insel der Bahamas, Norman Cay, ab, die er extra für diese Zwecke gekauft hatte, und von der er Transportflugzeuge voll von Kokain in den Himmel und dann in die USA schickte. Rund 10.000 $ zahlte er monatlich an die Regierung der Bahamas Schweigegeld. Er prahlte damit, aus einem Kilo Coca-Blätter ein Kilo Gold gemacht zu haben. 1982 stand er auf der Liste der acht reichsten Personen der Welt. Später war er im Medellín-Kartell aktiv. Im Februar 1987 wurde er auf seinem Gut Guarne im Osten Antioquias verhaftet. Es heißt, Escobar selbst habe der Antidrogenbehörde den Tipp gegeben. Der war mit Lehder nie warm geworden, denn dessen Redseligkeit und Drogensucht störten ihn. Lehder, voll von Bazuco, soll sich seiner Lage erst im Flugzeug in die USA bewusst geworden sein. 1983 hatte er in seiner kolumbianischen Heimat Armenia das Movimiento Latino Nacional gegründet, das später den Namen Los Extraditables annahm, anti-yankeeistische Positionen verkündete und sogar einige Abgeordnete stellte. Fürderhin gab sich diese Bewegung, die in Quindío, Armenia und La Tebaida Sitze in der örtlichen Legislative erreichte, den Namen Movimiento Latino Socialista und publizierte die Zeitschrift Quindío Libre. Zumindest einen Wachmann hat Lehder eigenhändig erschossen. Doch auch für die politischen Morde des Medellín-Kartells in Kolumbien trägt er (Mit)Verantwortung: Darunter waren, als prominenteste Opfer, der Innenminister Rodrigo Lara Bonilla und der Präsidentschaftskandidat der Liberalen Partei Luis Carlos Galán. Lehders Drogenhandel mit den daraus resultierenden Opfern kommt auf seiner Verbrechensliste hinzu. Er ist ein Bewunderer von Che Guevara, John Lennon und Hitler und errichtete auf seinem Anwesen in Antioquia eine nackte Bronzestatue Lennons, der er einen Nazihelm aufsetzte. Deutschland hat Lehder nun aufgenommen. Er soll schwerkrank sein. Keine seiner Straftaten hat er je gestanden. Bis zum Juni 2020 hatte er Deutschland nie betreten, auch Verwandte hat er hier nicht. Die Söhne von Lara und Galán hätten es weitaus lieber gesehen, wenn er aus den USA nach Kolumbien ausgeliefert worden wäre, um sich dort für alle Straftaten zu verantworten. Lehders Straftaten seien schließlich Verbrechen gegen die Menschlichkeit und gehörten vor die entsprechenden Gerichte. Zumindest vor eine Wahrheitskommission solle er gestellt werden. Deutschland und Kolumbien haben aber kein Auslieferungsabkommen. Schließlich können humanitäre Gründe zur Geltung gebracht werden. Es ist wie es ist. Glücklich muss man darüber nicht sein. Not welcome, Carlos Lehder! (Bildquelle: CC_wiki).

16. Juni | Lateinamerika: Indigene Völker und COVID-19

noticia_Indigena_Corona_Foto_Anderson_Riedel_PRDie „Bewegung der indigenen Völker, Gemeinschaften und Organisationen“ in Mexiko teilte mit, dass die Letalität von mit dem Corona-Virus infizierten indigenen Personen um etwa 70 Prozent höher liegt als im Landesdurchschnitt. Das verwundert insofern nicht, als die originäre Bevölkerung zu den ärmsten des Landes gehört. Der Gesundheitszustand Indigener ist schlechter, sie leiden häufiger an chronischen Krankheiten und verfügen über einen deutlich geringeren Zugang zu einer guten Gesundheitsversorgung; ganz gleich, ob sie in traditionellen Gemeinschaften oder in Städten leben. Dieses Schicksal teilen sie mit allen originären Völkern Lateinamerikas. Trotz der besonders gefährdeten Situation der Indigenen haben es die Regierungen des Kontinents bisher weitgehend versäumt, Maßnahmen gegen COVID-19 zu ergreifen, die spezifisch für diese Völker sind. In einigen Ländern scheint es der Fall zu sein, Brasilien ist nur ein Beispiel, dass die Coronakrise genutzt wird, die Schutzmaßnahmen für indigene Völker zu vernachlässigen und Landraub und Vertreibung ungehemmter durchzusetzen. Nach wie vor dringen Landbesetzer oder Holzfäller weitgehend ungehindert in Siedlungsgebiete de Indigenen ein – und schleppen nicht selten das Virus ein, auch die Morde an indigenen Aktivisten gehen weiter. Aufgrund des Landraubs und der Nutzung des Wassers für den Bergbau fehlt es oft an Wasser, und dort, wo noch ein Zugang besteht, ist dieses oft kontaminiert. Schon aus diesem Grunde ist die Einhaltung von Hygienemaßnahmen oft nicht möglich. In vielen Regionen des Kontinents haben die indigenen Gemeinschaften daher eigene Maßnahmen ergriffen, um sich zu schützen. Diese reichen von Einreisebeschränkungen über die verstärkte Nutzung traditioneller Heilpflanzen bis hin zu Informationskampagnen über das Virus in ihren eigenen Sprachen. Darüber hinaus aktivieren sie Solidaritätsnetzwerke zwischen verschiedenen Völkern, die sich bereits bei früheren Epidemien bewährt hatten. Diese Maßnahmen werden nicht selten von den Behörden behindert; so etwa in Chile, wo Vertreter der Mapuche verhaftet wurden, als sie versuchten, zum Schutz ihrer Gemeinschaften die Einreise Fremder in Mapuche-Territorium zu verhindern. Die jetzt von vielen Regierungen aufgelegten Programme zur Unterstützung der angeschlagenen Wirtschaft lassen eine weitere Verschlechterung der Situation der indigenen Völker befürchten. Verfolgen diese Maßnahmen doch in expliziter Form eine Politik des Extraktivismus, die in besonderer Weise die Territorien der indigenen Gemeinschaften und damit deren Überleben bedroht (Bildquelle: Anderson-Riedel_PR).

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Ernesto Che Guevara – Das QUETZAL-Dossier (Oktober 2017 – Juni 2018)


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Die Monroe-Doktrin: Totgesagte leben länger*
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Am 2. Dezember 1823 hielt US-Präsident James Monroe eine Rede zur Lage der Nation vor dem Kongress. Zwei Jahre zuvor hatte Mexiko seine Unabhängigkeit von Spanien verkündet und in Südamerika zeichnete sich die militärische Niederlage der iberischen Kolonialmacht ab. Monroe warnte die europäischen Staaten vor dem Versuch …

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La Noche Triste – Schlüsselmoment der Eroberung Mexikos durch die Spanier
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Vor 500 Jahren – in der Nacht vom 30. Juni zum 1. Juli 1520 – flüchtete Hernán Cortés mit seinen Truppen aus der aztekischen Hauptstadt Tenochtitlán. 600 Spanier und mehrere Tausend Tlaxcalteken, die die Nachhut bildeten, wurden in der Noche Triste (dt.: traurige Nacht) von den Mexica, wie sich die Azteken selbst nannten, getötet. Nur 400 Spanier, alle verwundet, entkamen mit knapper …

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Notfall Mexico City – Ich mag es, Unfälle zu sehen
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Der Nationale Gesundheitsrat Mexikos (Consejo Nacional de Salud) führte 2015 erstmals eine landesweite Prüfung des Rettungssystems durch, in deren Rahmen alle Rettungswagen kontrolliert wurden. Ein Vertreter des Gesundheitsrates stellte gegenüber der Zeitung El Universal fest, es gebe sehr viele Ambulanzen, die der Norm 034 nicht …

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Bioy Casares, Adolfo: Morels Erfindung
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Genau vor 80 Jahren wurde vom argentinischen Schriftsteller Adolfo Bioy Casares (Buenos Aires 1914) das Buch La invención de Morel (dt.: Morels Erfindung) veröffentlicht. Die Biografie des Autors ist inzwischen bekannt: Der aus gutem Hause stammend Bioy Casares begann zunächst ein Jura und Literaturstudium an der Universität Buenos Aires. Nachdem er es unterbrach, konnte er sich nun …

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Der Okima aus Bilina – Miloslav Stingl und die „Indianer ohne Tomahawks“
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Dieser Beitrag erinnert an Miloslav Stingl, einen tschechischen Ethnologen und Archäologen, der vom Stamm der Kikapu, der im US-Bundestaat Oklahoma lebt, zum Häuptling (Okima) gekürt worden war. Stingl, der damals an der Akademie der Wissenschaften arbeitete und die Nachricht über seine neue „Funktion“ am ersten April 1971 erhielt, vermutete dahinter zunächst …
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Der Mord an Roque Dalton oder wie (m)ein blaues Einhorn verloren ging
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Vor 85 Jahren, am 14. Mai 1935, kam der salvadorianische Schriftsteller Roque Dalton García zur Welt. Vor 45 Jahren, am 10. Mai 1975, nur wenige Tage vor seinem 40. Geburtstag, wurde er getötet. Es war Mord. Von Che Guevara wissen wir, dass er vom Feind in der Gestalt eines bolivianischen Feldwebels …
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